5. Bad Freienwalde, Professor Richard Assmann, 29.05.1999
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Bild 14 Professor Richard Aßmann. |
Das Observatorium Lindenberg bei Beeskow
lag im arbeitsmedizinischen Betreuungsbereich des ehemaligen Bezirkes Frankfurt
(Oder). So blieben Visiten dieser interessanten Einrichtung keine Seltenheit –
zumal das Aßmann´sche Aspirationspsychrometer ein wichtiges arbeitsmedizinisches
Messgerät darstellt. Die angestrebte Exkursion führte aber nicht nach
Lindenberg, sondern nach Bad Freienwalde. „Vor Ort“, in dem Aussichtsturm,
Assmanns erstem meteorologischen Observatorium, wurde anlässlich seines 80.
Todestages die Ehrung durch den Historischen Verein zu Frankfurt (Oder)
vorgenommen. Über den Direktor des Heimatmuseums Herrn Dr. Schmook ließen sich
die Vorbereitungen komplikationslos bewerkstelligen
Die Veranstaltung enthielt zwei Teile
1. Der Mediziner Dr. Richard Aßmann[5]
2. Der Meteorologe Professor Richard Aßmann[6]
Zum Mediziner: Richard Aßmann wurde am 13. April 1845 in Magdeburg als
Sohn des Lederfabrikanten Adolph Aßmann geboren und besuchte das Dom-Gymnasium
in Magdeburg. Im Jahre 1865 nahm er das Medizinstudium an der Leopoldina in
Breslau auf, promovierte dort mit der Arbeit: „Die Hämophilie“ und schloss 1870
sein Studium mit dem Staatsexamen ab. Im gleichen Jahr ließ er sich als
praktischer Arzt in Bad Freienwalde nieder, wurde aber bald als
Feld-Assistenzarzt zum 5. Feldlazarett des III. Armeekorps einberufen, um am
Feldzug gegen Frankreich teilzunehmen.
Nach Rückkehr aus dem Kriege wirkte er ab 1871 weiter als Arzt in Bad
Freienwalde, heiratete noch in diesem Jahr die Tochter des Königlichen
Magazin-Inspektors Andreé Johanna. Gemeinsam hatten sie eine Tochter.
Im Jahre 1876 errichtete er in Bad Freienwalde ein meteorologisches
Privat-Observatorium auf dem Aussichtsturm und verbrachte hier seine Freizeit,
um wetterkundliche Untersuchungen anzustellen. Seine Wohnung befand sich in der
Gesundbrunnenstraße 9 c, etwa in Höhe des Kurtheaters. Nach insgesamt 9 Jahren
Tätigkeit in Bad Freienwalde verließ er 1879 diese Stadt und betätigte sich
weiter als Arzt und Vorsteher der Wetterwarte der Magdeburger Zeitung. Ab 1885
widmete sich Richard Aßmann ausschließlich meteorologischen Studien.
Zum Meteorologen: Auszugsweise aus dem Vortrag von Dr. rer. nat. Michael
Eichler: „... Wir befinden uns hier im Aussichtsturm auf dem Galgenberg bei Bad
Freienwalde. Dieses Bauwerk wurde 1876 errichtet. Zweifelsohne war ein
wesentlicher Grund für den Bau, das Gedenken an die im deutsch-französischen
Krieg 1870/71 gefallenen Soldaten aus der hiesigen Umgebung wachzuhalten. ...
... Ein Meilenstein für meteorologische Untersuchungen bildete das von ihm
erfundene Aspirationspsychrometer, das auch heute noch für spezielle Aufgaben
eingesetzt und von den entsprechenden Fachleuten kurz als „Aßmann“ bezeichnet
wird.
Dieses 1892 entwickelte Instrument dient der Messung der wahren, durch Strahlung
(insbesondere in höheren Atmosphärenschichten) nicht verfälschten Temperatur
bzw. Feuchtigkeit. Es besteht aus zwei Thermometern, von denen eins feucht
umwickelt ist. Für die Bestimmung der tatsächlichen Lufttemperatur werden beide
Thermometer durch Metallhüllen vor der Wärmestrahlung geschützt. Um
Luftstauungen an den Hüllen zu vermeiden, wird der ganze Apparat mit der zu
messenden Luft aspiriert, d.h., die Luft wird mit ca. 2 m/sec. an den
Thermometern vorbeigeführt. Je trockner die Luft ist, umso mehr Wasser
verdunstet am feuchten Thermometer, das dann wegen der entzogenen
Verdunstungswärme abgekühlt wird. Die Temperaturdifferenz zwischen feuchtem und
trockenem Thermometer ist damit ein Maß für die Luftfeuchte.
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| Bild 15 Titelblatt der Beschreibung des Aeronautischen Observatoriums Lindenberg von Professor R. Aßmann |
Während seiner Ballonfahrten setzte
Richard Aßmann das von ihm erfundene Aspirationspsychrometer zur Untersuchung
der Atmosphäre ein. Im allgemeinen meteorologischen Interesse, so auch für
Richard Aßmann, standen damals die höheren Atmosphärenschichten, also das, was
sich in der Tropopause und darüber befindet. ...
... Ein anderes Mittel, wissenschaftliche Instrumente in große Höhen zu bringen
und vor allem auch wieder sicher zu bergen, sind Drachen. ...
... Als besondere wissenschaftliche Leistung Professor R. Assmanns muß im
Zusammenhang mit der Entwicklung eines Schichtenmodells der Erdatmosphäre die
Entdeckung der Stratosphäre hervorgehoben werden. In diesem Modell befindet sich
die Stratosphäre über dem bereits bekannten Teil der Atmosphäre, der
Troposphäre, und weist hinsichtlich Temperaturgradienten und Strömungen
signifikant andere Eigenschaften auf. Professor R. Aßmann verstand es, wichtige
Persönlichkeiten seiner Zeit für seine Ideen zu begeistern. 1899 wurde auf sein
Betreiben und trotz finanzieller Schieflage des Staatshaushaltes, das
„Königlich-Preußische Aeronautische Observatorium“ bei Berlin, später in
Lindenberg gebaut. Zu damaliger Zeit stellte dieses Institut eine einmalige
Einrichtung in Deutschland dar und genoß lange Zeit unter seiner Leitung
weltweit hohes Ansehen.
1914 wurde er an der Hessischen Landesuniversität in Gießen zum ordentlichen
Honorarprofessor ernannt und arbeitete dort bis zu seinem Tode am 29.05.1918,
heute vor 81 Jahren.“
Den Abschluss der Exkursion bildete die Besichtigung des Schlosses von Walter
Rathenau in Bad Freienwalde.
[5] Klaus Eichler, Zeitungsbeitrag „Vor 80 Jahren starb der Gründer des Observatoriums“, Märkische Oderzeitung, BEE-Spree-Journal, S. 10, 28.05.1998
[6] Michael Eichler, Vortragskonzept „Professor Richard Aßmann – Mediziner, Physiker und Meteorologe“, zum 29.05.1999, Bad Freienwalde, liegt bei Klaus Eichler