Wolfgang Buwert
Bericht über die Tätigkeit des Historischen Vereins zu
Frankfurt (Oder) e.V. für das Geschäftsjahr 2009
Sehr geehrte Dame und Herren,
traditionell, jedoch von Herzen, wünsche ich Ihnen im Namen des Vorstandes auch für 2010 Gesundheit und Schaffenskraft sowie viel Freude beim Forschen. Möge uns das neue Jahr auch wieder viele interessante Vorträge bescheren. Natürlich gehen unsere Wünsche ebenso und besonders an unsere auswärtigen Mitglieder. Wir hoffen, dass Sie durch unsere Vereinsmitteilungen wieder viel Neues über das alte Frankfurt (Oder) entdecken und dadurch angeregt werden, vielleicht an einer unserer Vereinssitzungen teilzunehmen oder selbst Erlebtes oder Forschungsergebnisse uns mitzuteilen.
Auch dieses Jahr 2010 birgt wieder viele historische Jubiläen. Einige davon möchte ich hier besonders erwähnen.
Da ist an erster Stelle ein, wie ich finde, besonders beeindruckendes zwanzigjähriges Jubiläum zu nennen. Am 26. März 1990 fanden sich nämlich in der ehemaligen Sakristei der Marienkirche interessierte Frankfurter ein, um unseren Historischer Verein zu gründen. Darauf werden wir in unserer März-Sitzung sicher besonders eingehen.
Für unsere Stadtgeschichte besonders bedeutsam ist der 23. April 1945, der 65. Jahrestag des Kriegsendes für Frankfurt (Oder) und der Beginn eines Kriegsfolgen-Kapitels, in dem unserer Stadt eine weit über die Region hinausgehende nationale und internationale Rolle übernahm. Ich meine den Menschenumschlagplatz Frankfurt (Oder), wo Millionen Menschen von West nach Ost und von Ost nach West transportiert wurden. Für die deutsche Geschichte besonders wichtig war in dem Zusammenhang das Heimkehrerlager Gronenfelde, das 1950, also vor 60 Jahren, seine Tätigkeit als deutsches Entlassungslager für aus russischer Gefangenschaft heimkehrende Kriegsgefangene, Internierte und Verschleppte sowie für Vertriebene beendete.
Kriegsende und Kriegsfolgen wandelten das Stadtbild und die Rolle der Stadt gravierend. Wohl nur noch in nächster Zeit bestehen Möglichkeiten, Zeitzeugen zu befragen und von ihnen Berichte, Dokumente und Fotos zu sammeln. Hier könnte m.E. so manches neue Forschungsthema gefunden werden und in unserem Verein Unbekanntes, Verdrängtes oder in Vergessenheit Geratenes vorgestellt werden.
Auch der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit und die Auflösung der Bezirksverwaltung Frankfurt (Oder) des Staatssicherheitsdienstes sind zu nennen. Fragen wie z.B. „Wie wurde diese Zeit erlebt, wie verlief das hier in Frankfurt?“ sind sicher auch noch nicht ausreichend historisch dargestellt worden.
Vielleicht konnte ich einigen von Ihnen schon jetzt Anregungen zum Forschen geben. Auf jeden Fall möchte ich an dieser Stelle weitere Vereinsmitglieder aufrufen, Beiträge für unsere Sitzungen zu schreiben oder auch Referenten für Vorträge zu gewinnen. Dies hat seine besondere Bedeutung für unsere Vereinsmitteilungen. Wir merken, dass teilweise zwar Vorträge gehalten werden, aber keine (druckreifen) Manuskripte für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt werden. Wir müssen unter diesem Blickwinkel prüfen, inwiefern in Zukunft zwei Ausgaben unserer Vereinsmitteilungen im Geschäftsjahr herausgegeben werden bzw. neun Vereinssitzungen im Jahr mit abendfüllenden Vorträgen noch stattfinden können.
Sicher gibt es noch weitere bemerkenswerte Frankfurter Geschichtsereignisse. Es liegt jedoch an uns selbst, diese in unser Blickfeld zu rücken.
Gestatten Sie nun, dass ich Ihnen den Tätigkeitsbericht für das Jahr 2009 vortrage:
Die Jahreshauptversammlung fand am 27. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 17 Mitglieder und 11 Gäste.
Im öffentlichen Teil zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, aus der Sammlung des Stadtarchivs einen Film aus dem Jahre 1972 zur Verkehrsplanung im Bezirk Frankfurt (Oder).
Frau Anita Schmoll (Frankfurt (Oder)) hielt anschließend einen Vortrag über die Entwicklung, Bebauung und Nutzung des heutigen Messegeländes in Westkreuz. Die Geschichte des Messegeländes, die sie vor allem mit privaten Fotoaufnahmen illustrierte, reichte von der einstigen Ackerfläche bis zum Neubau der Messehalle I.
Damit endete der öffentliche Teil.
Im nichtöffentlichen Teil wurde zunächst Frau Dr. Sonja Michaels, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Viadrina, als neues Mitglied unseres Vereins einstimmig aufgenommen.
Der Vorsitzende, Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert, trug anschließend den Bericht über die Tätigkeit im Geschäftsjahr 2008 und danach die Schatzmeisterin, Frau Dr. Vera Kliemann, den Kassenbericht für das Geschäftsjahr 2008 vor. Die Kassenprüfer, Herr Restaurator Bernhard Klemm und Herr Reinhard Buchholz, bestätigten den gegebenen Bericht. Beiden Berichten stimmten die Mitglieder einstimmig zu.
Danach wurden folgende Beschlüsse für 2009 gefasst:
● schriftliche Mahnung an säumige Beitragszahler;
● Festsetzung der Beitragshöhe: 25,00 Є für Vollzahler und 12,50 Є für Rentner,
Ruheständler, Studenten und Arbeitslose.
Dann folgte die Diskussion zu den Jahresvorhaben:
● Architekt Hanns Martin Kießling, Teil III + IV
●125. Jahre Entdeckung d. Diphtherie-Erregers durch Prof. Dr. F. Loeffler
● „Der gute Ort“ – Der jüdische Friedhof Frankfurt – Słubice
● Sonderausstellung im Museum „Von der Eiszeit bis zur Stadtgründung – Spu-
rensuche im Oderland“
● Ausstellung „Mirakel des Hauses Brandenburg“
● Ein Frankfurter erinnert sich: „Eine unfreiwillige Reise. 1950 – Von Frankfurt
(Oder) nach Bautzen“
● Einstimmung auf Weihnachten
● Junkerstr. 10. Von der Herberge zur Gaststätte „Oderblick“
● FfO.- Stationen auf den Schicksalswegen der Kriegsgefangenen
● Heidemarie Bucki – Buchlesung: „Das Lager. Über das größte Heimkehrerlager des Ostens in
der vergessenen Stadt Frankfurt/Oder und den Überlebenskampf einer jungen Familie“
Wie bei den meisten anderen Sitzungen tagte der Verein am 24. Februar auch wieder im Stadtarchiv. Referent war Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, der im dritten Teil seiner Studien zum Leben und Wirken des Architekten Hanns Martin Kießling über seine Kölner und Danziger Zeit bis zur Verdrängung aus dem Amt durch die Nationalsozialisten berichtete. Anwesend waren 24 interessierte Zuhörer, darunter Mitglieder des Vereins DenkMal Kießlinghaus e.V..
Gleich in der nächsten Sitzung am 31. März stellte Her Voigt den vierten Teil seiner Forschungsergebnisse vor. Im Mittelpunkt standen die Planung und der Bau des Mausoleums für den abgedankten Kaiser Wilhelm II. in Doorn und Kießlings letzte Lebensjahre. 33 Personen kamen zu diesem Vortrag.
Zu beiden Vorträgen zeigte der Referent zahlreiche Abbildungen, darunter viele, die in Frankfurt noch nicht bekannt waren, die er von der Tochter des Architekten erhalten hatte. Mit seinen langjährigen Forschungen gelang es Herrn Voigt, bisherige Forschungsdefizite in der Frankfurter Architekturgeschichte zu schließen.
Die Sitzung am 28. April fand im Museum Viadrina statt, an der 12 Mitglieder und 33 Gäste teilnahmen. Vereinsmitglied, Herr Eckhard Reiß, stellte neue Forschungsergebnisse zur Geschichte des Frankfurter jüdischen Begräbnisortes unter dem Titel „Der gute Ort – der jüdische Friedhof Frankfurter (Oder) – Słubice“ vor. In seiner Friedhofgeschichte ging der Vortragende insbesondere auf die letzte Nutzungszeit bis 1945 ein. Die letzte jüdische Beerdigung fand 1944 statt.
In einem weiteren Teil seiner Ausführungen berichtete er über die Aktivitäten und Probleme zur Wiederherstellung der Friedhofsanlage. Hervorzuheben ist auch, dass sich Herr Reiß als Frankfurter Bürger persönlich in dieser Angelegenheit sehr aktiv engagiert.
Besonders interessant waren seine Aussagen zur Zerstörung der Frankfurter Synagoge. Nach seinen Erkenntnissen brannte der Baukörper 1938 während der Reichspogromnacht zwar innen aus, überstand aber die Zerstörungen und Brandschatzungen 1945. Selbst auf einem Foto von 1946 steht die Synagoge noch. Vermutlich ist sie erst nach 1948 mit der Niederlegung der übrigen Ruinen von den neuen Stadtoberen abgerissen worden. Herr Reiß regte an, den Text auf dem Synagogenstein zu präzisieren.
Die Maisitzung am 26.05.2009 fand wiederum im Museum Viadrina statt. Vor 11 Mitgliedern und neun Gästen erinnerte Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, an den 125. Jahrestages der Entdeckung des Diphtherie-Erregers durch den in Frankfurt (Oder) geborenen Prof. Dr. Friedrich Loeffler.
Im Hauptteil führte Vereinsmitglied, Frau Dr. Vera Kliemann, durch die von ihr kuratierte Ausstellung „Von der Eiszeit bis zur Stadtgründung – Spurensuche im Oderland“. Seit langem gab es damit wieder eine Ausstellung zur Archäologie in Frankfurt (Oder).
Außerdem wurden an diesem Abend einstimmig zwei neue Mitglieder aufgenommen: Herr Dipl.-Kaufmann Joachim Wagner (Meerbusch), dessen Vater als Arzt in Frankfurt wirkte, und Herr Ralf Look (Frankfurt (Oder)), der als Journalist bei der Märkischen Oderzeitung tätig ist.
Nach der Sommerpause fand die nächste Sitzung am 22. September wieder im Stadtarchiv statt. Zu ihr kamen 17 Mitglieder und 11 Gäste. Vereinsmitglied, Herr Roman Carsten Höft, informierte über die Verlegung von „Stolpersteinen“ in Frankfurt (Oder). Diese Aktion begann am 08. Mai 2006 und erinnert in der Regel an den letzten bekannten Wohnort von Personen in Frankfurt (Oder), die von den Nazis deportiert, ermordet oder verfolgt wurden. Neben den bereits verlegten 24 Steinen berichtete er über die Verlegung weiterer 18 Steine am 12. November (= 1) in Słubice und 13. November 2009 in Frankfurt (Oder) (= 17). Als Beispiel stellte Herr Höft „Das Schicksal der jüdischen Familie Rosenbaum aus Frankfurt (Oder)/ Amsterdam“ vor.
Für Spenden für diese Stolperstein-Aktion stellt der Historische Verein sein Konto zur Verfügung.
Am 13. Oktober führten die Vereinsmitglieder, Herr Dr. Martin Schieck und Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, sowie Frau Dr. Sonja Michaels 14 Mitglieder und acht Gäste durch die im Museum Viadrina gezeigte Ausstellung „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Stadtarchiv, Museum Viadrina und Kleist-Museum hatten anlässlich der 250. Wiederkehr der Schlacht bei Kunersdorf in einem gemeinsamen Projekt eine Ausstellung gestaltete, die an zwei Orten zu sehen war. Der zweite Teil der Ausstellung im Kleist-Museum trug den Untertitel „Mein Herz ist wund, doch darf ich’s nicht bekennen...“ und hatte Leben und Tod von Ewald v. Kleist zum Inhalt.
Herr Buwert, trug ergänzend einige Passagen aus einem Vortrag vom 15. August 1861 vor. Der königliche Regierungsarchivar Einbeck referierte damals über „Hauptmomente aus dem Leben des Dichters und Helden Ewald Christian von Kleist und Geschichte seines zum 24. August 1861 renovirten Denkmals“. Da dieser Vortrag nicht in der Reihe der damaligen Vereinsmitteilungen publiziert wurde, wollen wir ihn in einer unserer Vereinsmitteilungen mitteilen.
„Meine ‚unfreiwillige Reise’ von Frankfurt (Oder) nach Bautzen. Ein Erlebnisbericht mit Dokumenten und Bildern“ – so lautete der Titel des Vortrages von Herrn Dieter Rother (Essen) am 17. November im Stadtarchiv. Herr Rother berichtete von seinen Erlebnissen in Frankfurt (Oder), wo er wegen angeblicher „konterrevolutionärer Propaganda“ vom sowjetischen KGB verhaftet, von einem sowjetischen Militärtribunal zu „10 Jahren Freiheitsentzug im Arbeits- und Besserungslager, mit Einzug des Vermögens“ verurteilt wurde und im berüchtigten „Gelben Elend“ in Bautzen und im „Roten Ochsen“ in Halle/ Saale verbüßen musste. U.a. machte der Referent auf den Widerspruch zwischen der Verfassung der DDR 1949 und der Praxis 1950 am Beispiel seiner Abholung durch deutsche Behörden und seine unrechtmäßige Übergabe an Sowjetorgane in der Sophienstraße aufmerksam.
Am 15. Dezember fand die letzte Veranstaltung im Kalenderjahr statt. Vereinsmitglied, Frau Dr. Sonja Michaels, führte durch die von ihr erarbeitete und gestaltete Ausstellung „Heimliche Männerträume – Faszination Modelleisenbahn“ im Museum Viadrina. Neben Modelleisenbahnen gab es auch Informationen zur Frankfurter Eisenbahngeschichte und für die Anwesenden ein Gläschen Glühwein.
Zusätzlich zum Jahresprogramm fand am 7. Mai gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) eine Sonderveranstaltung unseres Vereins statt. Zwei Referenten beschäftigten sich mit der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte Frankfurts.
Dem Vereinsvorsitzenden, Herrn Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert, war es gelungen, Herrn Prof. Dr. Vladimir Vsevolodov, Mitglied der Akademie für Militärwissenschaften der Russischen Föderation (Moskau), nach Frankfurt (Oder) einzuladen. Er referierte „Zur Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen nach Frankfurt (Oder). Ein Überblick aus russischer Sicht“. In seinem Vortrag bestätigte Prof. Vsevolodov Vermutungen von Vereinsmitgliedern, dass bereits im Jahre 1945 weit mehr Gefangene als bisher in der Forschung bekannt über Frankfurt (Oder) entlassen wurden. Er nannte für 1945 als Gesamtentlassungszahl 607.684 Menschen.
Zur weiteren Aufarbeitung dieser für ganz Deutschland wichtigen Problematik ist Prof. Vsevolodov sehr an einer Kooperation mit der Europa-Universität und Frankfurter Institutionen interessiert. Der Historische Verein unterstützt mit Nachdruck den Wunsch, dieses Forschungsprojekt am historischen Ort anzusiedeln. Frankfurt (Oder) könnte zu einem international bedeutsamen Zentrum für die Erforschung der Kriegsfolgeerscheinungen werden.
In einem zweiten Vortrag stellte Herr Wolfgang Buwert den „Lagerstandort Frankfurt (Oder)“ vor, der einen Eindruck von der heute nicht mehr vorstellbaren Dimension von sowjetischen und deutschen Entlassungslagern, Lazaretten, Behelfskrankenhäusern u.ä. ermöglichte. Eine Vielzahl von Fotodokumenten und Karten veranschaulichten seine Ausführungen.
Zu den beiden Vorträgen waren über 70 Personen in das Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Europa-Universität gekommen.
Prof. Dr. Vsevolodov, der mehrere Tage in der Stadt weilte, wurde von den Vereinsmitgliedern Buwert, Dr. Schieck, Schneider und Targiel betreut und ihm Sehenswürdigkeiten in Frankfurt und Seelow und die städtischen Archiv- und Museumseinrichtungen vorgestellt.
Nun folgen wieder Informationen zur Vorstandsarbeit und zur Tätigkeit einzelner Mitglieder.
Der Vorstand beriet sich erneut regelmäßig, so dass eine kontinuierliche Vereinsarbeit auch für 2009 realisiert werden konnte. Für die geleistete Arbeit sei allen Vorstandsmitgliedern herzlich gedankt.
Herr Ing. Joachim Schneider, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern konnte, gehörte zusammen mit Herrn Eckhard Reiß dem Organisationskomitee beim Collegium Polonicum zur Vorbereitung einer Veranstaltung zur 250. Wiederkehr der Schlacht bei Kunersdorf an. Für die Nachstellung von Schlachtszenen am 15. August stellte Herr Schneider Hintergrund-Militärmusik österreichischer, preußischer, russischer und sächsischer Herkunft zur Verfügung. Zu erwähnen ist hier, dass dank der beiden Herren bei der Aufzählung der unterstützenden Institutionen ausdrücklich und besonders für die deutsche Seite der Historische Verein genannt wurde. Am 26. September referierte Herr Schneider auf einer Wissenschaftlichen Tagung des Collegiums Polonicum zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Kunersdorf über „Kunersdorf 1945“.
Dem Wichernheim übergab Herr Schneider Hintergrundinformationen über die Bedeutung der vom Stadtarchiv organisierten Gedenktafel am Haus Humboldtstr. 11, dem Geburtshaus Gerhard Neumanns. Das Gebäude befindet sich jetzt im Besitz des Wichernheimes.
Herr Restaurator Bernhard Klemm, der auch in diesem Jahr mit zahlreichen Fotos und Aufsätzen im Rahmen eines Bilderrätsels über Frankfurter Gebäude in der Märkischen Oderzeitung präsent war, hielt am 20. April im Förderverein der Marienkirche einen Vortrag unter dem Titel „Treffpunkt altes Frankfurt“. Am 03. November referierte er vor dem Verein Frankfurter Briefmarkensammler 1900 e.V. zum Thema „Bebauung der Logenstraße“.
Zu den in der Märkischen Oderzeitung seit Jahren schon erscheinenden Bilderrätseln über alte Frankfurter Gebäude meldete sich Herr Reinhold Buchholz mit 15 Beiträgen. Er unterstützte auch die Modelleisenbahn-Ausstellung des Museums Viadrina.
Am 12. November nahm der Vereinsvorsitzender, Herr Buwert, an einem Gespräch mit dem Frankfurter Oberbürgermeister, Herrn Martin Patzelt, teil, initiiert vom Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.. Inhalt des Gesprächs war die nationale und internationale Bedeutung Frankfurts als „Menschenumschlagplatz“ in den Jahren 1945 bis 1950/56 in der Öffentlichkeit deutlicher darzustellen. Angeregt wurde die Errichtung eines nationalen Denkmals im Zentrum der Stadt.
Herr Carsten Roman Höft engagierte sich, wie bereits erwähnt, erneut für die Aktion „Stolpersteine“ in Frankfurt. Mehrfach wurde Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel im Stadtarchiv dazu konsultiert.
Sehr aktiv war auch in diesem Jahr wieder Herr OMR Dr. Klaus Eichler, der 2009 ebenfalls das 80. Lebensjahr vollendete. Er sprach beim Förderverein der Marienkirche über „Die ersten Heimkehrer kommen“ und vor der jüdischen Gemeinde und der Rüstzeit der Lutherstift-Azubis über jüdische Ärzte in Frankfurt (Oder) bis 1945.
Für die Ausstellung des Museums Viadrina „Willkommen in der Heimat“ listete er den Archivbestand auf. In der Märkischen Oderzeitung veröffentlichte er Beiträge unter den Titeln „Ein Neubau im ehemaligen Botanischen Garten“, „Vom Friedrichs-Gymnasium hinaus in die Welt“ und „Ein Arzt für die Kriegsversehrten – der Orthopäde Dr. Wagner“.
Herr Dr. Martin Schieck nahm am 18. November an einem deutsch-polnischen Projekttreffen, organisiert vom Institut für angewandte Geschichte e.V., zum ehemaligen Arbeitserziehungslager Schwetig (heute Swiecko) teil.
Herr Eckhard Reiß hielt am 06. Oktober im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Genossenschaftsfrühstück“ der WohnBau-Genossenschaft vor ca. 80 Zuhörern einen Dia-Vortrag über die Dammvorstadt.
Ebenfalls über die Dammvorstadt sprach er in einem Bildvortrag am 12. Oktober im Gauß-Gymnasiums, dieses Mal vor Schülern in der Projektwoche „Frankfurt (Oder) – ein Ort an einem Fluss, der trennt, vereint, vertreibt oder willkommen heißt?“
Am 1. November, an Allerheiligen, lud das Institut für angewandte Geschichte e.V. zu einem Spaziergang zu den Słubicer bzw. ehemaligen Dammvorstadt-Friedhöfen ein, an dem knapp 80 Personen teilnahmen. Auf diesem Spaziergang informierte Herr Reiß über die Geschichte der Friedhöfe.
Eine wichtige Aufgabe erledigt Jahr für Jahr Dr. Michael Eichler. Er pflegte wiederum die Web-Seite unseres Vereins, die nun schon über 2600 mal besucht wurde. Über diese Seite bekam der Verein auch wieder Anfragen zu Vermisstenschicksalen, die Herr Buwert beantwortete.
Für das Frankfurter Gauß-Gymnasium stellte der Verein durch Herrn Horst Voigt sämtliche bisher erschienenen Vereinsmitteilungen für Unterrichtszwecke und zur weiteren Bekanntmachung des Vereins zur Verfügung. Am 2. Juli 2009 nahm Herr Voigt am 1. Architekturgespräch 2009 „Räume für Bildung – Bildungsräume“ der Brandenburgischen Architektenkammer im Gauß-Gymnasium teil.
Herr Jens Kleuckling hielt am 26. Januar vor 25 Personen im „Arbeitskreis zur Erforschung der Geschichte des Stadtteils West“ im Gemeindehaus der Kreuzgemeinde in der Friedrich-Ebert-Straße Teil 2 seines Vortrages „Historischer Spaziergang durch Frankfurt (Oder)“. Im Oktober und November unterstützte und begleitete er das Theaterprojekt „Seid bereit – Was war die DDR?“ der Förder- und Beratungsstelle des FörderForums Frankfurt (Oder) e.V. mit Aufführung bei der Finissage des Kunstprojektes „Labyrinth der Wende“ am 8. November 2009 in der Marienkirche.
Das Redaktionskollegium mit den Herren Buwert und Reiß gab im Geschäftsjahr H. 1/ 2009 heraus. Für die Computeraufbereitung des Heftes danke ich Herrn Reiß besonders. Für das zweite Heft 2009 fehlten bisher Beiträge. Es wird vermutlich im März 2010 nachgereicht.
Eine Spende über 25 EUR erhielt unser Verein von Frau Bärbel und Herrn Klaus Opitz (Frankfurt (Oder)). Ebenfalls 25 EUR spendete unser neues Mitglied, Herr Joachim Wagner (Meerbusch). Den Spendern sei sehr herzlich gedankt.
Mit dem 31. Dezember 2009 hatte der Historische Verein insgesamt 35 Mitglieder. Das ist ein leichter Anstieg. Dennoch sollten wir versuchen, weitere Mitglieder zu gewinnen, vor allem „schreibende“ Mitglieder.
Abschließend kann der Vorstand auch für 2009 wieder ein erfolgreiches Geschäftsjahr feststellen. Dafür danke ich allen Beteiligten sehr herzlich und schließe hiermit den Tätigkeitsbericht zum Geschäftsjahr 2009.
Wolfgang Buwert
Vereinsvorsitzender
Vorgetragen auf der Jahreshauptversammlung am 26.01.2010