Wolfgang Buwert
Bericht über die Tätigkeit des Historischen Vereins zu
Frankfurt (Oder) e.V. für das Geschäftsjahr 2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich heiße Sie im Namen des Vorstandes herzlich willkommen im Kleist- Jahr 2011. Ja, was können wir uns mehr wünschen, als Gesundheit und viel Freude beim Forschen?!
Ich denke, das neue Vereinsjahr wird wieder interessante Vorträge bereithalten. Freuen wir uns also schon darauf.
Meine Neujahrsgrüße gehen natürlich auch wieder hinaus zu unseren auswärtigen Mitgliedern, für die unsere Mitteilungshefte das Bindeglied zu unserem Verein sind und die sicher schon auf die nächsten warten. Heft 1/2010 können wir heute ausgeben. Heft 2/2010 ist in der Vorbereitung, und für Heft 1/2011 liegen schon die Beiträge vor.
Auch 2011 ist wieder ein geschichtsträchtiges Jahr.
Das Kleist-Jahr, die ganzjährige Erinnerung an Leben und Werk von Frankfurts berühmtesten Sohn, Heinrich v. Kleist, anlässlich seines 200. Todestages († 21.11.1811), nannte ich anfangs schon.
2011 jährt sich auch zum 200. Mal das Ende der alten Viadrina- Universität. Mit der Kabinettsordre vom 24. April 1811 stand fest, dass die Universität nach Breslau verlegt wird, und am 10. August 1811 fand das Abschiedsfest der Studenten statt.
Aber der 15. Juli 2011 ist auch der 20. Jahrestag der (Neu-) Gründung der Europa-Universität Viadrina.
Jetzt schon am 18. Januar hatten wir den 140. Jahrestag der Gründung des Deutschen Reiches im Spiegelsaal von Versailles, wovon uns ein anderer berühmter Frankfurter Sohn, der Historienmaler Anton von Werner, mehrere Gemälde hinterließ. Eines davon fand seinen Platz in unserer Stadt (1945 leider vernichtet bzw. die Reste seit 1948 verschollen), in einem Gebäude, das am 25. April sein 100- jähriges Bestehen feiern kann – das damalige Städtische Realgymnasium und jetzige Karl-Liebknecht-Gymnasium.
Vor 65 Jahren wurde am 27. Juli 1946 das Lager Gronenfelde als zentrales Heimkehrerlager für alle aus der Sowjetunion entlassenen Kriegsgefangenen eröffnet.
Natürlich wollen wir uns nicht allein von Jubiläen leiten lassen. Ich rufe Sie also wieder auf, Ereignisse und Personen vor- und darzustellen, die die Frankfurter Geschichte mitprägten und bisher wenig oder gar nicht von der Forschung beachtet wurden oder die auf Grund der Quellenlage neu betrachtet werden müssen.
Gestatten Sie nun, dass ich den Tätigkeitsbericht für das Jahr 2010 vortrage:
Die Jahreshauptversammlung fand am 26. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 15 Mitglieder und vier Gäste.
Im öffentlichen Teil zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, aus dem Bestand des Stadtarchivs Filmaufnahmen vom 14. April 1990. Damals wurde der bauliche Zustand Frankfurts in einem Spaziergang mit einer Videokamera festgehalten.
Anschließend sprach unser Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über die „Junkerstr. 10. Von der Böttcher-Gesellen-Herberge zur Gaststätte ‚Oderterrasse’“. Zum einen zeigte der Referent die architektonisch- bauliche Entwicklung von den ältesten, in den Bauakten erhaltenen Zeichnungen des frühen 18. Jh. bis zu den Privataufnahmen des letzten Gaststättenbetreibers in den 50-er Jahren des 20. Jh.. Zum anderen ging er auf das Herbergswesen, insbesondere der Böttchergesellen ein. Zahlreiche Bilddokumente veranschaulichten die Darstellung eindrucksvoll.
Im nichtöffentlichen Teil trug der Vorsitzende, Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert, den Bericht über die Tätigkeit im Geschäftsjahr 2009 und danach die Schatzmeisterin, Frau Dr. Vera Kliemann, den Kassenbericht für das Geschäftsjahr 2009 vor. Die Kassenprüfer, Herr Restaurator Bernhard Klemm und Herr Reinhard Buchholz, bestätigten den gegebenen Bericht. Die Mitglieder stimmten beiden Berichten einstimmig zu.
Danach wurden folgende Beschlüsse für 2010 gefasst:
schriftliche Mahnung an säumige Beitragszahler;
Festsetzung der Beitragshöhe: 25,00 Є für Vollzahler und 12,50 Є für Rentner, Ruheständler, Studenten und Arbeitslose.
Dann folgte die Diskussion zu den Jahresvorhaben:
Selbstmorde in Wildenhagen 1945
Eine Zeit der Entscheidungsfindung – Ein Stalingrad-Kämpfer erinnert sich
Cornelys Reykwarts architektonisches Wirken in Brandenburg und Anhalt
Wanderung von Frankfurt nach Biegen und zurück
Buchlesung: „Das Lager. Über das größte Heimkehrerlager...“
Frankfurt (Oder) – Station auf d. Schicksalswegen der Kriegsgefangenen
300. Todestag von Prof. jur. Samuel Stryk
Konrad Wachsmanns Jugendzeit in Frankfurt (Oder)
200. Geburtstag von Eduard von Simson
Stadtumbau in Frankfurt (Oder)
Zum Kreisverband des VdH
Einstimmung auf Weihnachten
Am 23. Februar sprach unser Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, über „Wildenhagen ─ der Name dieses Dorfes steht für das Massenselbstmord-Drama kurz vor Kriegsende“ (veröffentlicht in H. 1/2010). Anwesend war dazu eine Zeitzeugin, Frau Adelheid Nagel geb. Schmarr (jetzt Frankfurt (Oder)), die ihre Kindheit in Wildenhagen (heute Lubin) jenseits der Oder verlebte. Sie hatte über ihre Erlebnisse ein Buch unter dem Titel „Mein Leben“ herausgegeben, auf das der Referent Bezug nahm und Auszüge daraus vortrug.
In der Nacht des 31. Januar 1945 nahmen sich fast alle Frauen Wildenhagens in einer Art Angstpsychose vor der anrückenden Roten Armee das Leben. Zuvor töteten sie auch ihre Kinder. Darunter sollte auch Adelheid Schmarr sein, die aber am nächsten Tag von russischen Soldaten gerettet wurde. Insgesamt nahmen sich von den etwa 480 Einwohnern 86 bis 100 Menschen das Leben.
Nach den einführenden Worten zeigte Herr Voigt die Filmdokumentation „Die Nacht von Wildenhagen“, die der WDR und arte 2004 ausgestrahlt hatten. An der Veranstaltung nahmen 30 Personen teil.
Damit wurde ein Thema angeschnitten, das für die Frankfurter Geschichte bisher auch noch nicht aufgearbeitet ist.
Die Sitzung am 31. März fand dieses Mal im Museum Viadrina statt. Gekommen waren etwa 30 Personen.
Anlässlich der Gründungsversammlung des Historischen Vereins am 26. März 1990 stießen die Anwesenden zunächst auf dieses Jubiläum mit einem Glas Sekt an.
In einem Kurzbeitrag informierte dann Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über die Arbeit und die Auflösung des Kreisverbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen, Vermisstenangehörigen (VdH) (veröffentlicht in H. 1/2010). Die Unterlagen des Kreisverbandes wurden inzwischen dem Stadtarchiv übergeben.
Im Hauptteil berichtete Herr Erich Schreiber (Frankfurt (Oder)) über seine „Zeit der Entscheidungsfindung“. Er war Wehrmachtsoldat und machte die Schlacht um Stalingrad mit, die er als Kriegsgefangener überlebte. Weiterhin erzählte er über seine persönlichen Erfahrungen an der Antifa- Schule in Tschuma.
Am 27. April fand die nächste Sitzung statt. Im Kurfürstensaal des Museums Viadrina referierte Herr Dipl.-Architekt Christian Nülken (Frankfurt (Oder)) vor 11 Mitgliedern und neun Gästen über „Cornelys Reykwart: sein architektonisches Wirken in Brandenburg und Anhalt“. An einer originalen Wirkungsstätte Reykwarts, nämlich dem Junkerhaus in Frankfurt (Oder), erfuhren die Anwesenden interessante Details und Zusammenhänge aus dem Leben und Wirken des Architekten und Baumeisters. Unter seiner Leitung erfolgte der barocke Umbau des Junkerhauses im 17. Jh..
Auch die Maisitzung am 11.05.2010 wurde wieder im Museum Viadrina durchgeführt. 13 Mitglieder und acht Gäste nahmen daran teil. Referent war Herr Dieter Rother (Essen), der seine Kindheit und Jugendzeit in Frankfurt verbracht hat und der bereits 2009 bei uns einmal sprach (veröffentlicht in H. 2/2009). „Frankfurt (Oder) – Biegen und zurück“ nannte er seinen Vortrag, in dem er über seine Erinnerungen an die Evakuierung, Rückkehr und ersten Nachkriegsjahre sprach. 1997 legte er dazu noch einmal zu Fuß denselben Weg zurück, den er mit seiner Mutter und seinem Bruder bis 1948 oftmals gegangen war. Biegen war das Ziel. Dort halfen sie auf einem Bauernhof, um Nahrungsmittel zu erhalten, die in den schweren Jahren das Überleben sichern halfen.
Nach der Sommerpause traf sich der Verein am 28. September erneut im Kurfürstensaal des Museums Viadrina. 14 Mitglieder und sechs Gäste waren zu dieser Veranstaltung gekommen.
Am Anfang machte Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, einführende Bemerkungen zu den „Stationen auf den Schicksalswegen der Kriegsgefangenen“. Dazu stellte er ein von ihm entwickeltes Schema zu den „Wegen der Kriegsgefangenen und Heimkehrer“ vor (veröffentlicht in H. 1/2010).
Den Hauptteil des Abends bestritt Frau Heidemarie Bucki (Sangerhausen), Tochter des ehemaligen stellvertretenden Leiters des Heimkehrerlagers Gronenfelde, Paul Rösch. Sie las aus ihrem Buch „Das Lager. Über das größte Heimkehrerlager des Ostens in der vergessenen Stadt Frankfurt/Oder und den Überlebenskampf einer jungen Familie“. Ihr Anliegen war es dabei. Leser anzusprechen, die mit der Heimkehrer- Problematik nichts zu tun hatten und diese jetzt dafür zu interessieren. Dafür hatte sie eine feminin-emotionale Schreibweise gewählt, tlw. aus dem Blickwinkel eines Kindes. Mit ihrem Buch ging es Frau Bucki auch darum, die Leistungen der Stadt Frankfurt (Oder) als „Schlüsselstadt“ für die Heimkehrer wieder mehr in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Der Historische Verein beschäftigt sich bereits seit über 15 Jahren intensiv mit dieser Thematik und unterstützt deshalb Frau Buckis Anliegen.
Die Sitzung am 26. Oktober fand wieder im Stadtarchiv statt. Herr Michael Annuß, Bauamtsleiter der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), sprach vor 17 Anwesenden zum Thema „Frankfurt (Oder) – Stadt im Wandel. Entwicklung seit 1990 und Ausblick bis 2030“. Er stellte die Sanierungs- und Entwicklungsgebiete der Stadt vor: 1. ehemalige Altstadt, 2. südöstliches Stadtzentrum, 3. Fischerstr./ Walter- Korsing- Str., 4. Gubener Str./ Lindenstr. und 5. Altberesinchen. Mit zahlreichen graphischen Darstellungen ging er auf die Entwicklungsziele, die Investitionen und die Herausforderungen bis 2030 ein. Ausgehend von einer Einwohnerzahl von 59.290 Menschen im Jahre 2010 prognostizierte Herr Annuß für 2030 ca. 48.000 Einwohner.
In der Diskussion regte Herr Schneider zusätzlich eine Erinnerungstafel für Alexander v. Humboldt auf dem Universitätsplatz an.
Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel stellte anschließend in einem Kurzbeitrag Prof. jur. Samuel Stryk anlässlich seines 300. Todestages vor. Der aus Lentzen/ Elbe stammende Stryk hatte in Frankfurt (Oder) studiert und 1672 eine Professur an der Juristischen Fakultät übernommen. 144 Drucke von ihm sind im Stadtarchiv überliefert. Sein später an der Hallenser Universität berühmt gewordener Schüler war der Jurist Christian Thomasius.
Am 23.11.2010 referierte Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel im Stadtarchiv über zwei für die Frankfurter Stadtgeschichte bedeutsame Persönlichkeiten. Zu den Beiträgen waren 18 Personen gekommen, darunter der Leiter des Oberstufenzentrums „Konrad Wachsmann“, Herr Bernd Wagner.
Zunächst sprach Herr Targiel über Eduard von Simson anlässlich dessen 200. Geburtstages. Simson war u.a. Präsident der Frankfurter Nationalversammlung und stand an der Spitze der Deputation, die am 03. April 1849 König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone antrug. Seit 03. September 1860 war Simson Präsident des Appellationsgerichtes in Frankfurt (Oder). An Simsons ehemaligen Wohnhaus Halbe Stadt 20 hatte unser Verein am 02. Mai 1991 dank Herrn Targiel die Wiederanbringung der alten Gedenktafel des Historisch-Statistischen Vereins initiiert und organisiert.
Im zweiten Beitrag beschäftigte sich der Referent anlässlich des 30. Todestages mit Konrad Wachsmann. Der 1901 in der Oderstadt geborene Apothekersohn entwickelte sich zu einem bedeutenden Vertreter des industriellen Bauens. Nach seinem Tode am 25.11.1980 in Los Angeles wurde seine Urne auf eigenen Wunsch auf dem Frankfurter Hauptfriedhof am 10.12.1981 beigesetzt. Herr Targiel stellte u.a. auch ein von Wachsmann entworfenes Holzhaus vor, dessen Standort heute unbekannt ist. Er bat die Anwesenden um Mithilfe bei der Standortsuche.
Am 14. Dezember trafen sich 12 Mitglieder zu einem gemütlichen Jahresausklang im Zentrum für Begabtenförderung in der Puschkinstraße bei Glühwein und Spekulatius. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr Jens Kleuckling, ermöglichte uns dieses Zusammensein. Er engagiert sich besonders für dieses Zentrum.
Frau Dr. Sonja Michaels stellte drei Neuerwerbungen des Museums vor, von denen zwei in der geplanten Ausstellung zur Steingutfabrik Paetsch 2011 zu sehen sein werden. Herr OA Targiel berichtete über den Erwerb des Nachlasses des Musikers Willy Post. Zu Gehör brachte er auch ein humoristisches Gedicht des Architekten Willy Schönfelder (Vater des bekannten Schauspielers Friedrich Schönfelder), der über die Zustände in der Wohnung unter ihm reimte. Er berichtete amüsant über Musikabende, Proben und Unterrichtsstunden der Familie Post.
Dr. Schieck zeigte zwei Fotos aus den Frankfurter Nachkriegsjahren und stellte die Datierung zur Diskussion. Herr Buwert stellte einige neu erworbene Fotos zur Frankfurter Militärgeschichte vor.
Im Anschluss tauschten sich die Mitglieder zu den Vorhaben im Jahr 2011 aus.
Nun folgen wieder Informationen zur Vorstandsarbeit und zur Tätigkeit einzelner Mitglieder.
Der Vorstand arbeitete 2010 auch wieder so kontinuierlich, dass erneut neun Vortragsabende gestaltet werden konnten. Für die geleistete Arbeit sei allen Vorstandsmitgliedern herzlich gedankt.
Herr Reinhold Buchholz beteiligte sich mit 22 Beiträgen an den in der Märkischen O-derzeitung erscheinenden Bilderrätseln über alte Frankfurter Gebäude. Er fertigte außerdem einen Nachforschungsbericht über den Gründer des Frankfurter katholischen Gesellenvereins für einen Nachfahren sowie über die Steinmetzarbeiten am 1911 eingeweihten neuen Städtischen Realgymnasium durch die Firma Carl Schulze für die im April stattfindenden Feierlichkeiten an.
Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert stellte anlässlich der Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland am 19. Mai 2010, die unter dem Thema „Bildung und Denkmalpflege“ stand, in der ehemaligen Sakristei der Marienkirche die 1927 eingeweihte Hindenburgschule mit zahlreichen Dias vor. Danach führte er die Teilnehmer im Rahmen einer Exkursion in die Nuhnen- Vorstadt durch die unter Denkmalschutz stehende Erich Kästner Grundschule (die ehemalige Hindenburgschule). Die Denkmalschützer bestaunten dabei den enorm hohen Anteil an Original-Bausubstanz an dieser Bildungseinrichtung, die in den 20-er Jahren als eine Musterschule Deutschlands galt.
Am 02. Juni hielt Herr Buwert auf der Kreis- Mitgliederversammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Rathaus einen Bildvortrag über „Frankfurt (Oder) im Frühjahr 1945“.
Herr OMR Dr. Klaus Eichler war auch in diesem Jahr wieder sehr umfangreich im Sinne des Vereins tätig. Er editierte drei Broschüren: „Das Lutherstift im Nachkriegsfrankfurt 1945-1947“, „Vater-Sohn-Beziehungen von Medizinprofessoren der Alten Viadrina 1506 – 1811“ und „Die Charité Berlin wird 300 Jahre alt – Auch Mediziner aus Frankfurt (Oder) hatten Anteil an ihrer ruhmreichen Entwicklung“.
OMR Dr. Eichler war außerdem beteiligt an der Vorbereitung und Durchführung eines Meetings zum Weltfriedenstag zusammen mit dem Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. am 01. September 2010 am Mahnmal der Heimkehrer in der Nuhnenstraße. In der Heimkehrer-Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ im jetzigen Polizeipräsidium führte er drei Führungen durch.
Herr Carsten Roman Höft engagierte sich erneut sehr umfangreich für die Aktion „Stolpersteine“ in Frankfurt. Mehrfach wurde Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel dazu im Stadtarchiv konsultiert. Für sein Engagement wurde Herr Höft am 03. Dezember auf der Jahres-Auszeichnungsfeier der Frankfurter ehrenamtlich Tätigen mit einem Sonderpreis geehrt.
Herr Restaurator Bernhard Klemm war erneut mit zahlreichen Fotos und etwa 35 Kurzbeiträgen an den von der Märkischen Oderzeitung veröffentlichten Bilderrätseln beteiligt. Am 08. Juni sprach Herr Klemm zum Thema „Bildungsstandort Frankfurt (Oder) auf der Grundlage alter Stadtansichten“ vor dem Verein Frankfurter Briefmarkensammler 1900 e.V.. Mit zahlreichen Fotos und vielen inhaltliche Hinweisen auf unkorrekte Darstellungen war Herr Klemm an dem von MOZ-Chefredakteur Frank Mangelsdorf herausgegebenen und von MOZ-Redakteur Jörg Kotterba geschriebenen Buch „Einst und Jetzt – Frankfurt (Oder) / Slubice“ entscheidend mitbeteiligt. Hierfür steuerte auch Herr Heiko Preiß viele Fotos bei.
Frau Dr. Vera Kliemann konzipierte und realisierte für das Museum Müllrose anlässlich des 750- jährigen Stadtjubiläums die Ausstellung „Von der Eiszeit bis zur Stadtgründung – Spurensuche im Oderland“ mit Funden aus der Sammlung des Museums Viadrina. Die Ausstellung war von Mai bis Juni 2010 zu sehen.
Herr Eckhard Reiß führte am 21. März ca. 30 junge Leute aus vier Ländern von Building Bridges und am 10. Juni ca. 15 Leute der Bertelsmann-Stiftung über den alten Frankfurter Jüdischen Friedhof im jetzigen Słubice. Am 24. Juni zeigte er 11 Personen des Ökumenischen Zentrums Friedenskirche das Friedhofsgelände und hielt anschließend einen Vortrag über die Geschichte des Friedhofes.
Herr Reiß beabsichtigt demnächst umfangreicher über den Jüdischen Friedhof zu publizieren.
Für das Gebäude des aufgelösten Friedrichs- Gymnasium regte er an, dass mit dem Einzug der Grundschule Mitte in das Gebäude der historische Name „Friedrichschule“ übernommen wird. Der Historische Verein wird sich in diesem Sinne an die Stadtverwaltung wenden.
Herr Reiß vertritt außerdem unseren Verein bei einer begrüßenswerten polnischen Initiative, die in Słubice einen historischen Lehrpfad einrichten will. Es ist geplant, an etwa 25 historischen Gebäuden Tafeln in polnischer und deutscher Sprache anzubringen, die auf die Geschichte des jeweiligen Gebäudes hinweisen.
Herr Ing. Joachim Schneider ist mit seinem Aufsatz „Kunersdorf 1945“, den er auf einer wissenschaftlichen Tagung anlässlich der 250. Wiederkehr des Tages der Schlacht bei Kunersdorf (12. August 1759) 2009 hielt, in der nun vom Collegium Polonicum herausgegebenen Publikation „Kunersdorf 1759 – Kunowice 2009“ vertreten.
Die im H. 1/1993 der Vereinsmitteilungen von Joachim Schneider veröffentlichte Arbeit über den königlich-preußischen Musikdirektor Gottfried Piefke war für den Journalisten Hubertus Godeysen Grundlage für die Frankfurt-Passagen seines Buches „Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung“.
Für den dänischen Militärhistoriker Dr. Ove C. Kronborg stellte Herr Schneider Materialien zu den Ereignissen des Jahres 1945 im Sternberger und Lebuser Land zur Verfügung, die dieser in zwei Büchern zur Kriegsgeschichte jener Zeit verwenden will.
Herr Schneider teilte weiterhin mit, dass er seine fast 20-jährige engagierte Tätigkeit in der Kommission zur Straßenbe- und umbenennung mit dem Jahr 2010 beendet hat.
Auch Dr. Michael Eichler war für unseren Verein wieder besonders tätig. Er pflegte die Web-Seite unseres Vereins, die nun bereits 3429 mal besucht wurde. Über diese Seite bekam der Verein verstärkt Anfragen zu Vermisstenschicksalen, die Herr Buwert beantwortete. Und auch die Nachfrage nach unseren Vereinsmitteilungen erhöhte sich durch das Internet erheblich. Hier sei unserem Bibliothekar, Herrn Horst Voigt, herzlich gedankt, der diese Anfragen alle bearbeitete.
Das Redaktionskollegium mit den Herren Buwert und Reiß gab im Geschäftsjahr H. 2/ 2009 heraus. H. 1/2010 gibt es heute, das zweite Heft 2010 ist, wie schon erwähnt, in der Bearbeitung, und für H. 1/2011 liegen die Beiträge auch schon vor.
Eine Spende über 50€ erhielt unser Verein von Herrn Manfred Schlopsnies (Swisttal), der sich auf diese Weise für den Erhalt einiger Vereinsmitteilungen bedankte. Unsere auswärtigen Mitglieder, Herr Dipl.-Kaufmann Joachim Wagner (Meerbusch), und Herr Udo Harttung (Ingolstadt) spendeten 37,50€ bzw. 12,50€. Den Spendern sei herzlich gedankt.
Mit dem 31. Dezember 2010 hatte der Historische Verein insgesamt 34 Mitglieder. Die Differenz zum Jahr 2009 ergibt sich aus dem Umstand, dass unser auswärtiges Mitglied, Herr Harald Richert (* 08.04.1921 in Frankfurt (Oder) - † 31.07.2009 in Hamburg) bereits 2009 verstorben war, der Verein davon aber erst 2010 erfuhr.
In Erinnerung an seine Eltern, Medizinalrat Dr. med. Karl- Otto Richert und Frau Marianne, beide Mitglied des alten Historischen Vereins, und in Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) war Herr Richert am 23.01.1996 unserem Verein beigetreten. In Hamburg- Bergedorf leitete er einen Arbeitskreis der Genealogischen Gesellschaft und schrieb einige Aufsätze für das Archiv für Sippenforschung. 1971 sprach er u. a. in Hamburg über „Zwei Ehrenbürger der Stadt Frankfurt/Oder“ – Johann Carl Ferdinand Gerlach und Carl Johann Heinrich Eduard v. Gerlach, von denen Richerts Mutter eine Nachfahrin war.
Die Mitgliederwerbung bleibt eine hoch aktuelle Notwendigkeit, da sich die Zahl der „schreibenden“ Mitglieder nach wie vor nicht vergrößert hat.
Abschließend kann der Vorstand auch für 2010 ein erfolgreiches Geschäftsjahr feststellen. Dafür danke ich allen Beteiligten sehr herzlich und schließe hiermit den Tätig keitsbericht zum Geschäftsjahr 2010.
Wolfgang Buwert
Vereinsvorsitzender
Vorgetragen auf der Jahreshauptversammlung am 25.01.2011