Vereinssitzungs- Rückblick

Im Folgenden wird an vergangene Vereinsitzung erinnert. Dies geschieht anhand der entsprechenden Ausschnitte aus den Vereins-Jahresberichten (Autor W. Buwert) und ist z. T. mit Bildern (Dr. M. Eichler) illustriert.


2004


Die Jahreshauptversammlung fand am 27. Januar im Stadtarchiv statt, zu der 15 Mitglieder und ein Gast kamen.

Im öffentlichen Teil referierte Vereinsmitglied, Herr Ingenieur Joachim Schneider, über die „Quartiere und Baumaßnahmen der Sowjetarmee in Frankfurt (Oder) (veröffentlicht in H. 1/2004). Erstmals wurde eine Bestandaufnahme der von der Sowjetarmee genutzten bzw. gebauten Gebäude in der Oderstadt vorgelegt. Der Bogen spannte sich von der vorgefundenen Situation 1945 über Baumaßnahmen in- und außerhalb der Kasernenanlagen, die Nutzung des Bahnhofs als Truppenumschlagplatz bis hin zu Wohnbauten im Stadtgebiet. Weitere Hinweise und Ergänzungen gaben die Herren Voigt, Krause und Reiß.

Danach zeigte Vereinsmitglied, Dr. Michael Eichler, einen weiteren Teil der Videodokumentation zu den Exkursionen des Historischen Vereins.


Am 24. Februar sprach im Stadtarchiv Herr OMR Dr. Klaus Eichler in seinem fünften Teil über „Von der Festung zur Lazarettstadt 1945 – 1949“. Vor ca. 30 Anwesenden gab der Referent anhand von mehreren Dias einen weiteren Einblick in die Medizingeschichte der ersten Nachkriegsjahre.

In einem weiteren Beitrag erinnerte Dr. Klaus Eichler an den 55. Todestag von Prof. Dr. August Bier (veröffentlicht in H. 1/2004).


Auf der nächsten Sitzung am 30. März, wiederum im Stadtarchiv, berichtete Herr Dr. Jürgen Pfeiler (Storkow) über die Erlebnisse seines Vaters, die er überschrieb mit „Eine Postanweisung vom 3. April 1945 – letztes Lebenszeichen von Volkssturmmann Ernst Pf. Über persönliche Post als Quelle historischer Forschungen“. Einleitend berichtete Dr. Pfeiler über seine Kindheit und Jugend in Frankfurt (Oder) bis zu seiner Evakuierung am 6. Februar 1945. Vom Vater blieben Karten und Briefe von Februar bis April 1945 erhalten, aus denen der Referent vortrug. Er war Schreiber im Bataillons­stab von Major Kuhrock im Raum Güldendorf. Die vorgetragenen Passagen beinhalteten interessante Informationen zur Festungsgeschichte und persönliche Erlebnisse.

Vereinsmitglied, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, informierte im Anschluss über die Ausstellung zu Architekt Martin Kießling, über den bevorstehenden Archivtag und über die Absicht, einen Förderverein für das Stadtarchiv gründen zu wollen.


Die Sitzung am 27. April fand im Kurfürstensaal des Museums Viadrina statt, zu der neben 12 Mitgliedern auch acht Gäste erschienen waren. Thema war die Geschichte des Kaisersaales der Aktien-Brauerei, zu dem Vereinsmitglied, Herr Tino Scheuner, zuerst sprach (veröffentlicht in H. 1/2004). Herr Scheuners Ausführungen beruhten auf Recherchen in der im Stadtarchiv vorliegenden Frankfurter Oderzeitung.

Herr Schneider informierte in einer Ergänzung über ehemalige Gebäude auf dem Gelände der Aktien-Brauerei, des späteren Lichtspieltheaters der Jugend. Wesentlich er­weitert wurden diese Aussagen durch Vereinsmitglied, Herrn Orthopädie-Schuhmachermeister Günter Wilke, der auf Grund seiner jahrelangen Bauakten-Recherchen im Stadtarchiv die Baugeschichte des Kaisersaales noch weiter präzisieren konnte (beide Beiträge veröffentlicht in H. 1/2004).

Anschließend stellte Vereinsmitglied, Herr Restaurator Bernhard Klemm, in einem DIA-Vortrag „Historische Gasthäuser, Herbergen und Lokalitäten in Frankfurt (Oder)“ vor. Er konnte dabei aus seiner reichhaltigen Ansichtskartensammlung schöpfen.

Zum Abschluss erinnerte Dr. Klaus Eichler an den 245. Geburtstag des Mediziners Dr. Karl August Wilhelm Berends.


 Zur Sitzung am 25. Mai im Museum VIADRINA kamen 26 Personen. Es sprach in einem reich bebilderten Vortrag Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, über die Geschichte des jüdischen Friedhofes in Frankfurt (Oder). U.a. konnte er auf Quellen aus dem Zent­rum Judaicum Berlin zurückgreifen, darunter ein Bericht des letzten Friedhofgärtners Billerbeck. Ausgehend von der Lage dieser Begräbnisstätte und ihrer frühen Nutzung (= eine der ältesten jüdischen Friedhöfe Mitteleuropas) berichtete er über die Verwen­dung der Grabsteine im Słubicer Straßenbau bis zur symbolischen Wiedererrichtung durch die Aufstellung nachgebildeter Grabsteine. Erwähnenswert ist, dass die Stadt Słubice das Friedhofsgelände als jüdisches Eigentum der jüdischen Gemeinde in Sczeczin (Stettin) rückübertrug.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt erinnerte Vereinsmitglied, Herr Manfred Krause, an den 245. Todestag von Ewald Christian v. Kleist, der nach der Schlacht von Kunersdorf 1759 seinen Verwundungen in Frankfurt (Oder) erlag.


Nach der Sommerpause fand die nächste Sitzung am 28. September wiederum im Museum VIADRINA statt. Herr Ing. Joachim Schneider, hielt einen Vortrag über die „Geschichte der Frankfurter Ziegeleien im 19. und 20. Jahrhundert“, zu dem 16 Mitglieder und 18 Gäste gekommen waren. Nach einer kurzen Einleitung zur Herstellung von Ziegeln und deren Verwendung sowie zu den Tonvorkommen in Frankfurt ging er zu den ältesten Ziegeleien über. U.a. sprach er über die Ratsziegelei, die in einem Plan von 1738 eingezeichnet war. Die Anzahl der Ziegeleien stieg von fünf im Jahre 1848 auf 17 im Jahre 1882 und zeugte von der regen Bautätigkeit im 19. Jh.. Die meisten der in der Stadt vorkommenden Teiche haben ihren Ursprung in ehemaligen Tongruben dieser Betriebe.


Am 26. Oktober stand ein Vortrag von Vereinsmitglied , Frau Dr. Vera Kliemann, auf der Tagesordnung. Vor 22 Anwesenden sprach sie über „Ausgrabungen im Junker­haus“. Die unter Leitung der Referentin durchgeführten archäologischen Untersuchun­gen über den langen Zeitraum der Sanierungen im Junkerhaus erbrachten einige neue, tlw. sensationelle Ergebnisse. Insbesondere sind die Bauphasen der östlich vorgela­gerten Gebäudeteile und das Auffinden des einzigen am Originalplatz liegenden Stadtmauerrestes hier zu nennen, ebenso Teile des gepflasterten mittelalterlichen Wehrganges und ein hölzerner Bohlenweg aus dem 13. Jh..


20 Personen hörten am 23. November die interessanten Ausführungen von Herrn Joachim Schneider über „Historische Baumbestände im 19. und 20. Jahrhundert in öf­fentlichen Anlagen und privaten Gärten Frankfurts“. Mit diesem Beitrag unterstrich der Referent seine vielseitigen Interessen. Er stellte die These auf, dass die Frankfurter historischen Baumbestände wegen des Fehlens einer königlichen Residenz und entsprechender Park- und Gartenanlagen dem Frankfurter Bürgertum zu verdanken sind. Er belegte dies mit der Umgestaltung und Bepflanzung der Wallanlagen zum Bürger­park, der Aufwertung des Baumbestandes um 1900 und der Anpflanzung „einer Flut“ von fremdländischen Gehölzen in Privatgärten nach 1990. Neben den zahlreichen Dias hatte Herr Schneider auch viele Blätter-, Samen- und Gehölzproben zur Anschauung mitgebracht.


Auf der letzten Sitzung des Jahres 2004 am 14. Dezember, zu der elf Mitglieder und 13 Gäste erschienen, sprach Herr Bernhard Klemm über „Die Schifffahrt auf der Oder im Raum Frankfurt“. Wiederum konnte Herr Klemm viele Bilder aus seiner umfangreichen Ansichtskartensammlung verwenden. Zunächst machte er einige topografische Anga­ben zur Oder. Dann gab er einen Überblick über die Schiffstypen, die den Fluss befuh­ren, wonach Ausführungen über Schifferkneipen folgten. Von zahlreichen Besonder­heiten konnte er berichten, z.B. von einem Lastkahn des Reeders Klepsch mit Namen „Viadrus“ sowie von den Zeichen an den Schornsteinen der Dampfschiffe, die den Eigner weithin verrieten.


2005


Die Jahreshauptversammlung fand am 25. Januar im Museum VIADRINA statt. Anwesend waren 17 Mitglieder und weitere neun Gäste.

Zuerst gab es einen öffentlichen Teil, in dem Vereinsmitglied, Herr Ingenieur Joachim Schneider, über „Das Militär in der Dammvorstadt und die spätere Entwicklung der historischen Militärbauten in Słubice“ referierte (veröffentlicht in H. 2/2005). Nach der preußischen Heeresreform 1860 bewarb sich Frankfurt (Oder) um die Stationierung von weiterem Militär im Stadtgebiet. 1867 forderte der Magistrat die Einwohner der Dammvorstadt auf, „die Unterbringung der neuen Garnison durch Errichtung geeigne­ter Ställe und hinreichender Wohnungsräume möglichst zu erleichtern.“ Anhand zahlreicher Dias ging der Referent auf die Nutzung aller in der Dammvorstadt errichteten militärischen Gebäude ein. Dank der profunden Ortskenntnisse und der langjährigen Beschäftigung mit der Frankfurter Militärgeschichte hat Herr Schneider eine sehr detailreiche und aussagefähige Studie damit vorgelegt.


Die Februarsitzung musste auf Grund der Krankheit des Referenten ausfallen.


Die Sitzung am 15. März fand gemeinsam mit dem Verein der Freunde und Förderer des Museums VIADRINA statt. Als Referent sprach im Museum VIADRINA  Herr Diplom-Geologe Rainer Schulz vom Landesamt für  Geologie über „Brandenburg im Eiszeitalter. Der geologische Aufbau Ostbrandenburgs“. Der außerordentlich reich bebilderte und mit vielen Karten, Schnitten und Gesteinsproben ergänzte Vortrag gab einen beindruckenden Blick in die geologische Entwicklung unserer Region. Die überaus zahlreich erschienenen Gäste – insgesamt kamen 68 Personen - wurden auf viele geologische Besonderheiten aufmerksam gemacht, an denen man sonst einfach aus Unkenntnis vorbei ging.


Zur nächsten Sitzung trafen sich die Mitglieder am 26. April, auf der zunächst der Vorsitzende, Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert, auf das 15-jährige Bestehen unseres Historischen Vereins einging (veröffentlicht in H. 1/2005). In seiner Rückschau stellte er fest, dass es dem Verein dank seiner Mitglieder gelungen ist, 15 Jahre kontinuierlich Stadtgeschichte aufzuarbeiten, die in regelmäßiger Vereinsarbeit öffentlich gemacht und anschließend in den vereinseigenen „Mitteilungen“ publiziert wurde. Ein Glas Sekt auf das Jubiläum rundete diese Erinnerung ab.

Das Hauptreferat des Abends hielt Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, der den abschließenden Teil seiner langjährigen Forschungen zum Thema „Von der Festung zur Lazarettstadt“ vortrug. Er stellte weitere medizinische Einrichtungen und Personen vor, die sich um die medizinische Versorgung im Nachkriegs-Frankfurt verdient gemacht haben. Danach bilanzierte der Referent seine über sechs Teile gehenden Studien (veröffentlicht in H. 2/2005), die er in einer besonderen Publikationsreihe selbst herausgab. Dr. Eichler regte an, im Museum VIADRINA eine Gedenktafel für die im Junkerhaus, dem damaligen Seuchenlazarett des Städtischen Krankenhauses, von 1945 bis 1948 tätigen Diakonissinnen, Schwestern und Ärzte anzubringen. Abschließend wies er auf den 90. Todestag von Prof. Dr. Friedrich Loeffler, dem „Vater der Virologie“, hin.


Am 31. Mai kamen die Vereinsmitglieder wieder im Museum VIADRINA zusammen. Für den Vortrag des Abends konnte dank der Vermittlung von OMR DR. Klaus Eichler Herr Dr. Werner Groß (Berlin) gewonnen werden. Er berichtete über seine persönlichen „Erlebnisse bei der Sanitätsstaffel des Frankfurter Fliegerhorstes und als dienstverpflichteter Arzt im Heimkehrerlager Gronenfelde“. 1939 führte es Dr. Groß erstmals zum Fliegerhorst Frankfurt (Oder), wo er für die medizinische Absicherung während des Flugbetriebes eingesetzt war. Das zweite Mal kam er als Potsdamer Arzt dienstverpflichtet für zwei Wochen 1948 ins Heimkehrerlager Gronenfelde, wo seine Aufgabe darin bestand, den Heimkehrern aus russischer Gefangenschaft die uneingeschränkte Transportfähigkeit zu bescheinigen oder diese in ein Krankenhaus einzuweisen. Ebenso beschickte er den vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz gestellten Lazarettzug Genf.

Zum Abschluss seiner Ausführungen berichtete er über einen Mann, der sich im Nachkriegs-Frankfurt und dann in Berlin (West) als Arzt ausgab und sich dabei Verdienste erwarb, ohne je Medizin studiert zu haben. In Frankfurt (Oder) brachte er es bis zum Kreisarzt. Dies kann man nachlesen in seinen Erinnerungen „Der falsche Chefarzt von Berlin. Die Lebensbeichte eines Mediziners, den die Not das Helfen  lehrte“ von Walter Günther und Friedhelm Werremeier.

Erwähnenswert ist, dass 20 Gäste an dieser Veranstaltung teilnahmen, die z.T. persönliche Beziehungen zu den dargestellten Ereignissen hatten.


Nach der Sommerpause verfolgten am 27. September 12 Mitglieder und 24 Gäste im Stadtmuseum die interessanten Ausführungen unseres Vereinsmitgliedes, Herrn Horst Voigt, über „Die Kampfmittelberäumung in Frankfurt (Oder) und Umgebung nach dem Zweiten Weltkrieg“. Zu seinem Vortrag präsentierte der Referent den Anwesenden zahlreiche Originalstücke wie Minen, Zünder und Granaten, natürlich alles entschärft, sowie eine bildliche Darstellung der Minensuche aus der Heimatstube Lebus. Gekommen waren auch drei Zeitzeugen, Mitarbeiter des ehemaligen Munitionsbergungsbetriebes, die in der Diskussion aus ihrem eigenen Erleben berichteten. Die z.T. erstmals gezeigten Bilder be­reicherten die Ausführungen zu einem bislang kaum beachteten Nachkriegsthema. Gezeigt wurden auch Ausschnitte aus dem Film „Bombenkerle“ des Frankfurter AFC. Die Fragestellung des Referenten, ob auf Grund einer Hochrechnung der gefundenen Blindgänger auf die insgesamt 1945 auf Frankfurt (Oder) abgeworfenen Bomben und die daraus resultierenden Zerstörungen geschlussfolgert werden kann, sollte weiter nachgegangen werden.

Vortrag von Vereinsmitglied Horst Voigt Austellung im Foyer

Danach wies OMR Dr. Klaus Eichler in einem Kurzbeitrag auf den 60. Todestag des ehemaligen ärztlichen Leiters des Lutherstiftes, Prof. Dr. Ludwig Pernice, hin.


Am 25. Oktober fand die nächste Sitzung statt, zu der zehn Mitglieder und 22 Gäste kamen. Das Referat hielt Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, „Zur Telefongeschichte Frankfurts und Słubices“. Der zeitliche Bogen reichte von den Anfängen der Telefonie bis zur Digitalisierung in der Oderstadt. Zahlreiche Dias, eine kleine Entwicklungsreihe von Telefonapparaten, Wahlgeräten u.Ä. veranschaulichte sehr eindrucksvoll den Anwesenden die technische Entwicklung auf diesem Gebiet. Durch seine Sachkunde – Herr Reiß war auf diesem Gebiet selbst beruflich tätig – brachte der Vortragende auch dem Laien dieses Kapitel Frankfurter Technikgeschichte näher. Zahlreiche ehemalige Arbeitskollegen ergänzten oder bestätigten die Ausführungen des Referenten.

Vereinsmitglied Herr Eckard Reiß beim Vortrag.

Alte Telefoneapparate.

 


Mit der Sitzung am 22. November kam es in der Gaststätte „Seeterrasse“ zu einer angenehmen Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Tzschetzschnow-Güldendorf e.V.. Gekommen waren über 40 Mitglieder und Gäste beider Vereine.

Zunächst sahen die Anwesenden die Filmdokumentation über den Festumzug zum 775. Jubiläums Güldendorfs, der unter aktiver Mitwirkung vieler Güldendorfer gestaltet worden war. Das Referat hielt Vereinsmitglied, Herr Manfred Krause, selbst in Güldendorf wohnend. Mit zahlreichen Dias gab Herr Krause einen Überblick über die facettenreiche Dorfgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dabei konnte er sich auf die von unserem ehemaligen Vereinsmitglied, Dr. Manfred Kallweit, angelegte Chronik von Güldendorf sowie die Festschrift stützen.

Vereinsmitglied Manfred Krause beim Vortrag.

Güldendorfer Geschichte in Bildern.

 


Die abschließende Dezember-Sitzung am 13.12.2005 fand wieder im Museum VIADRINA statt. Zum Vortrag unseres Vereinsmitgliedes, Herrn Dipl.-Restaurator Bernhard Klemm, waren elf Mitglieder und fünf Gäste gekommen. Aus seiner umfangreichen Ansichtskartensammlung, die auch die östlich der Oder gelegenen Kreise des ehemaligen Regierungsbezirkes Frankfurt (Oder) umfasst, hatte er diesmal Postkarten von „Ausflugstätten des Sternberger Landes“ ausgewählt. Interessant waren dabei die Gegenüberstellungen von historischen und heutigen Aufnahmen, die die nach wie vor vorhandenen Reize dieser Orte veranschaulichten. Heute z.T. in Naturschutzgebieten gelegen, stellte Herr Klemm entlang von drei Odernebenflüssen, der Eilang, der Pleiske und der Griesel, Mühlen, Förstereien, Gutshäuser, Gaststätten u.a. Objekte vor.

 
Vereinsmitglied Bernhard Klemm beim Vortrag.

 


2006


Die Jahreshauptversammlung fand am 24. Januar wieder im Museum VIADRINA statt. Anwesend waren 14 Mitglieder und fünf Gäste.

Im öffentlichen Teil sprach Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über drei Mediziner, deren Leben eng mit der Frankfurter Nachkriegsgeschichte verbunden ist: Dr. Max Petermann, Prof. Dr. Dr. Ernst-Günther Schenck und Dr. Dr. Rolf Bernstein.

Dr. Petermann, ein stadtbekannter Arzt (die Petermannsche Villa ist vielen Frankfurtern noch in guter Erinnerung), dessen Todestag sich zum 60. Male jährte, machte sich um die Betreuung und Leitung des Seuchenlazaretts verdient, das bekannterweise im Gebäude des heutigen Museums eingerichtet worden war (veröffentlicht in H.. 2/2006)

Prof. Dr. Dr. Schenck kam als kriegsgefangener Arzt aus Berlin nach Frankfurt und betreute die kranken deutschen Kriegsgefangenen im Lazarett der Hindenburg- und Hornkaserne.

Dr. Dr.  Bernstein war ebenfalls als kriegsgefangener Arzt in der Oderstadt tätig. Schenck und Bernstein haben ihre Erinnerungen in Buchform festgehalten, aus denen der Referent Passagen vortrug. Sie verdeutlichen die äußerst schwierige Lage der medizinischen Versorgung der Kriegsgefangenen und zugleich das große Engagement der betreuenden Ärzte.


Die am 28. Februar durchgeführte Sitzung fand wie auch zu den nächsten Terminen im Museum VIADRINA statt.

Als Referent sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke,  zum Thema „Wie ehemalige Schüler das Friedrichs-Gymnasium in der NS-Zeit sehen“. Er stützte sich vor allem auf die Erinnerungsberichte ehemaliger Gymnasiasten in der Festbroschüre  „XAIPE“ (= „Seid gegrüßt“), die zum 300-jährigen Schuljubiläum erschienen war.


Vereinsmitglied Dr. Horst Engelke beim Vortrag.

Nach der Durchsicht der Berichte entwickelte Dr. Engelke für seine Ausführungen fünf Leitfragen, u.a. warum Eltern sich für das Friedrichs-Gymnasium entschieden und welche  Rolle Kriegstraditionen an der Schule spielten. Die von ihm entwickelten Kriterien erlaubten es dem Autor, die subjektiven Erlebnisberichte zu analysieren.


Am 28. März sprach der stellvertretende Direktor und Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über einen unberechtigten Rauswurf aus dem Junkerhaus. Anwesend waren 12 Mitglieder und 12 Gäste.


Vereinsmitglied Dr. Martin Schieck.

Eingebettet in einen kurzen Abriss der Bau- und Nutzungsgeschichte des Junkerhauses war eine Episode aus dem 17./18. Jh.. Aus verschiedenen Akten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs sowie des Geheimen Preußischen Staatsarchivs in Berlin konnte der Referent die kuriose Geschichte des Rauswurfs  von Prof. v. Runckel rekapitulieren. Der heute recht merkwürdig anmutende Fall brachte die Zuhörer mehrfach zum Schmunzeln.


In der Sitzung vom 25. April berichtete Herr Dipl.-Lehrer Peter Staffa über ein Projekt des Friedrichs-Gymnasiums – „Building brigdes“.  Im Rahmen dieses Projektes hat das Gymnasium Kontakte zu Schulen in Gütersloh, Polen, Israel und Palästina. So kam auch der Kontakt zu einem jüdischen Friedrichs-Gymnasiasten zustande, Hermann Arndt, der mit seiner Familie Deutschland während der Nazizeit  verlassen musste. Bekannt wurde er viel später als Mitglied des MOSSAD und als Verantwortlicher für die Aufspürung und Verhaftung von Adolf Eichmann in Argentinien. Herr Staffa konnte mit Schülern ihn, der jetzt Zvi Aharoni heißt, in England besuchen. Die Schüler interviewten ihn, und dabei entstand ein Film, der nun aufgeführt wurde.

 
Dipl.-Lehrer Peter Staffa


Die Sitzung am 30. Mai, zu der 25 Personen anwesend waren, bestand aus drei Referaten. OMR Dr. Klaus Eichler erinnerte an den 50. Todestag von Dr. Gottfried Benn, der einen Teil seiner Schulzeit am Friedrichs-Gymnasium absolvierte und später neben seiner medizinischen Ausbildung und Tätigkeit zu einem bedeutenden wie widersprüchlichen Schriftsteller avancierte.

 

Vereinsmitglied, Herr Carsten Roman Höft, stellte die Aktion „Stolpersteine in Frankfurt (Oder)“ vor. Er referierte über Nissel Weißmann und Albert Fellert, die von den Nazis deportiert und umgebracht wurden..

Als Dritter sprach Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, über „Der Kampf um Lebus im Februar 1945“. Dazu zeigte der Referent Fotos und Luftbilder. Herr Schneider hat eine Menge Material zusammengetragen und stellte manche Fakten erstmals der Öffentlichkeit sehr detailliert vor.


Vereinsmitglied Joachim Schneider.


Referenten auf der Sitzung am 26. September waren die Mitglieder, Herr Eckard Reiß und Herr Manfred Krause.

Herr Reiß widmete sich der Geschichte des Friedhofes in der Frankfurter Dammvorstadt. Die erste schriftliche Erwähnung des Dammfriedhofes berichtete über seine Verwüstung im Dreißigjährigen Krieg. Die Anlage eines neuen Friedhofes war wegen Grundwasserproblemen notwendig geworden, die Einweihung erfolgte 1814. Im Jahre 1928 wurde die erweiterte, nunmehr als Waldfriedhof bezeichnete Anlage eingeweiht. Die Erweiterung sollte Bestattungen für weitere 60 Jahre ermöglichen. Die letzte deutsche Beerdigung fand dort am 25. Januar 1945 statt, die ersten beiden polnischen Bestattungen erfolgten am 14. Juli 1945.

Herr Krause sprach anschließend über das 100-jährige Jubiläum der Feuerwehr in Tzschetzschnow-Güldendorf. Er machte Ausführungen über die Struktur und Organisation der Feuerwehr und stellte Anekdoten  vor. Die erste Feuerwehr bestand aus 15 Mann.

Danach informierte Herr Höft darüber, dass bisher sieben „Stolpersteine“ in Frankfurt (Oder) verlegt worden sind und erinnerte an das Schicksal von Opfern der NS-Gewaltherrschaft.


Auf der Oktober-Sitzung am 25.10. referierte Herr Dr. Horst Engelke „Zur Geschichte der Städtischen Oberschule“. Die erste Information über die Existenz einer Schule in Frankfurt (Oder) stammt aus dem Jahre 1341, sie trug mehrere Namen, u. a. Ratsschule, Schule in der Oberstadt, Lateinschule. Der erste Standort dieser Schule lag an der Südmauer des Friedhofs von St. Marien. Im 15. Jh. unterrichteten ein Rektor und zwei Gesellen die Schüler. Eine Zäsur in der Schulentwicklung bildete die Einführung der Reformation 1539.



Vereinsmitglied Dr. Horst Engelke beim Vortrag.

Mit seinen zwei Beiträgen ist durch Dr. Engelke nach langer Zeit wieder die Frankfurter Schulgeschichte ergänzt worden.


 Auf der Sitzung am 21. November erinnerte OMR Dr. Klaus Eichler an die 50. Wiederkehr der Nobelpreisverleihung für Medizin an Prof. Dr. Werner Forßmann, der auch in Frankfurt (Oder) als Arzt tätig war.

Den Hauptbeitrag des Abends bildete ein von Vereinsmitglied, Herrn OA Ralf-Rüdiger Targiel,  gemachter „Spaziergang durch Frankfurt (Oder) 1939“. Über 100 Postkartenaufnahmen des Verlages Schöningh & Co. erlaubten einen Blick auf und in die Oderstadt vor 1945. Die Scans stammten von originalen Glasnegativen des Verlages, die sich mittlerweile im „Haus Brandenburg“ der Landsmannschaft Berlin-Brandenburg in Fürstenwalde befinden und dort von Herrn Targiel und zuvor schon Anfang der 90-er Jahre von unserem Mitglied, Herr Restaurator Bernhard Klemm, entdeckt worden waren. Auf Grund der hervorragenden Qualität der Glasnegative konnte der Referent mit den hochauflösenden Scans den anwesenden 24 Mitgliedern und Gästen so manche Details zeigen. Von Blicken vor die Fensterscheibe einzelner Geschäfte bis hin zu auf den Postkarten nicht sichtbaren Retuschen reichte die Palette.


Für die Sitzung am 12. Dezember konnte dank der Vermittlung von Vorstandsmitglied, Herrn OA Targiel,  als Referent Herr Stephan Brather gewonnen werden,  Dipl.-Restaurator am Brandenburgischen Landesdenkmalamt Wünsdorf. Die Veranstaltung fand erstmals in den Räumen der Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ in der Collegienstraße statt, einem ehemaligen Frankfurter Gefängnis.  Anwesend waren neun Mitglieder und 12 Gäste.


Referent Herr Stephan Brather.

Herr Brather, der ein Aufbaustudium an der Europa-Universität VIADRINA, Lehrstuhl Schutz europäischer Kulturgüter absolviert, erforschte mit zwei weiteren Studenten im Rahmen einer Belegbarbeit die Bau- und Nutzungsgeschichte des Betsaales des St. Spiritushospitals.  Die Ausführungen, die sich auf ein gründliches Aktenstudium als auch auf die bauliche Bestandsaufnahme stützen, erlaubten ein detailreichen Einblick in ein der Öffentlichkeit kaum noch bekanntes Gebäude. Möge seine Arbeit und das Bekanntmachen in der Öffentlichkeit dazu beitragen, dass dieser Betsaal vor dem völligen Zerfall gerettet werden kann. 


2007


Die Jahreshauptversammlung fand am 30. Januar im Museum VIADRINA statt. Anwe­send waren 18 Mitglieder und elf Gäste.

Im öffentlichen Teil sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über „Der Eiserne Wehrmann in Frankfurt (Oder)“. Der Wehrmann wurde am 27. Januar 1916 vor dem Rathaus aufgestellt und diente als Kriegsfolgen-Hilfe. Dazu konnte man Nägel aus verschiedenen Materialien und zu unterschiedlichen Preisen erwerben und die Holzplastik damit benageln, so dass die Figur ein metallisches Aussehen bekam. Solche Spendenaktionen gab es in vielen deutschen und auch anderen europäischen Städten. Der Verbleib der Figur ist unklar. Es liegt nahe, dass sie beim Brand des Rathauses 1945 Opfer der Flammen wurde.

Anschließend las Vereinsmitglied, Herr Roman Carsten Höft, aus den Erinnerungen von Herrn Prof. Dr. Heinz Vater (Köln) „Kindheit in der Nazizeit“, in denen er seine Erlebnisse in seiner jüdischen Familie in Frankfurt (Oder) schilderte.


Am 27. Februar fand die nächste Sitzung als gemeinsame Veranstaltung mit dem verein der Freunde und Förderer des Museums Viadrina im hiesigen Museum statt. Anwesend waren 13 Mitglieder und 18 Gäste. Herr Dipl.-Archäologe Rainer Schulz sprach anlässlich des 150. Geburtstages über Michael Martin Lienau. Von der Familie Lienau ist ein Wahlspruch noch aus Großvater Michaels Zeiten überliefert:

„Lienau heet ick. Wat recht und god is, Dat weet ick. Gott gew’t dato, dat ick’t ok do!“


Dipl.-Archäologe Rainer Schulz.

Herr Schulz gab mit zahlreichen Bildern einen Abriss des Lebens von Michael Martin Lienau, der im Alter seinen Kaufmannsberuf aufgab und ein Archäologiestudium erfolgreich absolvierte. Seit 1922 war er als staatlicher Bezirkspfleger für die Bodenaltertümer im Stadtkreis Frankfurt (Oder) verantwortlich. Von ihm liegen zahlreiche Aufsätze von Ausgrabungen und zur Vor- und Frühgeschichte der Oderstadt vor.


Für die Sitzung am 27. März konnte der Vereinsvorsitzende Herrn Hans Heilborn (Berlin) gewinnen. Gekommen waren 14 Mitglieder und 21 Gäste. Hans Heilborn (geb. 1924) ist der Sohn des bedeutenden Frankfurter Schuhfabrikanten in der Stadt, Sigmund Heilborn. Herr Heilborn sprach über „Die Familie Heilborn – das Schicksal einer Frankfurter jüdischen Familie“. Er berichtete über die Firmengeschichte, Familiengeschichte und sein eigenes Leben.


Gastreferent Hans Heilborn.

Hans Heilborn war als Überlebender des Holocaust aus dem KZ Theresienstadt nach Kriegsende in seine Heimatstadt zurückgekehrt und begann hier bei der Polizei, später bei der Kripo zu arbeiten. Einige Bilder dokumentierten seinen Lebensweg. Abschließend kritisierte der Referent die inhaltliche Wichtung und Ausgestaltung der Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ in der Collegienstraße.


 Am 24. April erinnerte zunächst Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, vor 12 Mitgliedern und 16 Gästen an den 140. Geburtstag von Prof. Dr. Albert Albu, einem in Frankfurt geborenen jüdischen Arzt (veröffentlicht in H. 2/2007). In diesem Zusammenhang sprach er auch über die ersten jüdischen Studenten am Ende des 17. Jh. an der Frankfurter Viadrina.
 

Referent Dr. Klaus Eichler.

Referent Joachim Schneider.

Das Hauptreferat hielt Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider. Er sprach zum Thema „Eine Stadt verliert ihr Antlitz. Zur Zerstörung Frankfurts 1945“. Durch intensive Recherchen, tlw. eigenen Beobachtungen konnte Herr Schneider in einer Hochrechnung feststellen, dass 1945 über Frankfurt (Oder) ca. 1000 Bomben abgeworfen wurden. Er wies bei den vorhandenen Nachkriegsfotos erneut darauf hin, dass es sich dabei nicht um den Originalzustand der Ruinen handelt, sondern um Fotografien aus späteren Jahren. Es ging dem Referenten nicht um ein Aufrechnen und um Schuldzuweisungen für die Zerstörungen, sondern vielmehr um den Umgang mit der Wahrheit.


 Die nächste Sitzung fand am 29. Mai im Stadtarchiv (wie auch alle weiteren Sitzungen) statt. Vereinsmitglied, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, zeigte zunächst einen Film des AFC (= Amateurfilmclub Frankfurt (Oder)) „Gustav, die Umweltschlampe“. Im Hauptreferat sprach er über den „Hebräischen Buchdruck in Frankfurt (Oder) von der Mitte des 16. Jh. bis Anfang des 19. Jh.“. Elf Mitglieder und 7 Gäste verfolgten den Vortrag. Der Referent unterschied zwei Etappen des Buchdrucks, in deren erster zwischen 1551 und 1593 Drucke in Frankfurt entstanden, in denen bereits tlw. hebräische Teile eingefügt waren. Die zweite, viel bedeutendere Etappe begann mit Johann Christoph Beckmann, der jedoch schon 1696 sein Geschäft an Michael Gottschalck übergab. Gottschalck (um 1655 -1734), der erstmalig nach neu ausgewerteten Quellen aus dem Geheimen Staatsarchiv PK Berlin und des Stadtarchivs Frankfurt (Oder) in seinem umfänglichen Wirken dargestellt wurde, brachte die erste Frankfurter Ausgabe des babylonischen Talmuds heraus.


 Am 25. September sprach zunächst Herr OMR Dr. Klaus Eichler vor zehn Mitgliedern und 16 Gästen zum 60. Todestag von Hermine, zweite Ehefrau von Wilhelm II. Hermine hielt sich nach Kriegsende bis 1947 in Frankfurt (Oder) auf, verstarb hier und wurde im Antikentempel im Park zu Sanssouci in Potsdam beigesetzt. In einem anschließend gezeigten Video wurden die Ereignissorte in Saabor (Kreis Grünberg, heute Zabór) und Schloss Doorn im Rahmen einer Exkursion mit der ehemaligen Sekretärin der Kaiserwitwe vorgestellt.

Das Hauptreferat hielt Herr Landschaftsarchitekt BDLA Jürgen Kleeberg (Berlin). Er sprach im Zusammenhang mit dem Gartendenkmal Lennépark und dessen etappenweisen Wiederherstellung über die Befestigungsanlagen an der Westseite der Stadt unter dem Thema „Die mittelalterliche Stadtbefestigung in Frankfurt (Oder) – Archäologie und Gartendenkmalpflege“.


Gastreferent J. Kleeberg.

Bei der Rekonstruktion der Feldsteinmauer am Wassergraben nahe der alten leerstehenden Schule kamen Reste der Befestigungsanlage, darunter Fundamentreste eines Rondells zutage. Voran stellte der Referent historische Pläne von der etappenweisen Anlage des Lennéparks (Wege- und Wasserbau, Bepflanzungsplan, Vegetationspläne).


Am 30. Oktober referierte Herr Ing. Joachim Schneider vor ca. 20 Teilnehmern zu einem außergewöhnlichem Thema, „Von Bach bis Wagner. Das Schaffen Frankfurter Militärorchester um 1900“. Neben den Bildern stellte er ausgewählte Tonbeispiele vor. Die Militärorchester waren ein fester Bestandteil des Musiklebens in der Stadt. Auf dem Repertoire standen Konzerte mit klassischer Musik und die musikalische Begleitung von Aufführungen im Frankfurter Stadttheater. Bekannte Aufführungsorte waren damals das Carthausbad, der Viktoriagarten, das Schützenhaus und der Kaisersaal.

Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, informierte anschließend über seine neuesten Recherchen zur Umbenennung der Straßen in der ehemaligen Dammvorstadt durch polnische Behörden in Słubice im Oktober 1945 (veröffentlicht in H. 2/2007).


Die Sitzung am 21. November begann mit einer Gedenkminute für unser verstorbenes Mitglied, Herrn Manfred Krause (+ 4. November). Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern unseres Vereins und trug durch seine Beiträge über Ewald v. Kleist, Tzschetzschnow – Güldendorf  und seinen Gedichten zur Bereicherung des Vereinslebens bei. Danach sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke, in Weiterführung seiner Schulgeschichtsforschung über „Die Städtische Oberschule 1539 bis 1694“. In Gegenüberstellung der Lehrkonzepte vor und nach der Reformation arbeitete er heraus, dass es sich überwiegend um eine „Paukschule“ handelte, die nach der Methode „Vorsagen – Nachsagen – Üben – Einprägen“ funktionierte. Auch wenn sich die Religion und die Unterrichtsinhalte änderten, änderten sich nicht die Lehrmethoden. Die Schulaufsicht hatte nun nicht mehr der Bischof, sondern eine oberste Schulverwaltung.

Aus gegebenen Anlass sprach anschließend Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel zur Frage „Wann kam Hermine, die Witwe des letzten deutschen Kaisers, nach Frankfurt ?“ Der Referent beabsichtigte nicht, diese Frage abschließend zu beantworten, sondern sprach vielmehr über den Quellenwert bisher nicht oder nur wenig genutzter Dokumente des Stadtarchivs zu diesem Thema. Danach ist es wahrscheinlich, dass Hermine von Preußen schon am 3. November 1945 in Frankfurt (Oder) eintraf.


Am 11. Dezember fand die letzte Sitzung im Geschäftsjahr statt, an der zehn Mitglieder und 12 Gäste teilnahmen. Die Vereinsmitglieder, Herr Restaurator Bernhard Klemm und Herr Reinhard Buchholz, sprachen „Zur Bau- und Nutzungsgeschichte der ehemaligen Mädchenberufsschule in der Potsdamer Straße“. Die Ausführungen und gezeigten Bilder beleuchteten die sehr wechselvolle Nutzungsgeschichte und die baulichen Veränderungen. U.a. war das Gebäude 1944/45 als Reservelazarett Nr. 106 genutzt worden und Ende der 50-er Jahre war es die erste Betriebs- und Ausbildungsstätte des Frankfurter Halbleiterwerkes. Heute befindet sich dort das bbw (Berlin-Brandenburger Bildungswerk). Herr OA Targiel  zeigte ein kürzlich vom Stadtarchiv erworbenes Fotoalbum, vermutlich von einer Frankfurter Zahnarztfamilie, das z.T. sehr interessante stadtgeschichtliche Aufnahmen enthält.


2008


Die Jahreshauptversammlung fand am 29. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 11 Mitglieder und vier Gäste.

Im öffentlichen Teil zeigte Vereinsmitglied, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, zwei Filmebeiträge aus den Beständen des Stadtarchivs, einen DEFA-Augenzeugen aus dem Jahre 1950 und „Ansichtskarten aus Frankfurt“ aus dem Jahre 1977. Anschließend wurden interessante Neuzugänge zur Frankfurter Geschichte vorgestellt. 

Vereinsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, zeigte eine Bass-Tuba der Musikinstrumentenfabrik Altrichter vom Ende des 19. Jahrhunderts, die das Museum Viadrina erworben hatte. Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, präsentierte Originalbriefe aus der Frankfurter Zeit des Architekten Martin Kießling. Herr Targiel stellte den Nachlass von dem in Frankfurt sehr bekannten Biologie-Lehrer Gerhard Schmidt – Bio- Schmidt – vor. Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, informierte über das Buch von Gerald Ramm, „Endstation Oderfront“, zu dem er selbst Beiträge lieferte. Weiterhin machte er die Anwesenden mit einem interessanten vergleichenden Kartenmaterial in der Zeitschrift „Zentrum“ bekannt. Dort sind zwei Stadtpläne von Frankfurt (Oder) aus den Jahren 1925 und 2007 „übereinander montiert“, um die städtebauliche Entwicklung anschaulich zu machen.


Am 19. Februar fand die nächste Sitzung wie auch die folgenden im Stadtarchiv statt, an der 19 Mitglieder und neun Gäste teilnahmen. Zunächst zeigte Herr OA Targiel aus den Beständen des Stadtarchivs ein Video „Bauplatz an der Oder“, in dem es um die Zentrumsbebauung der Oderstadt ging.

Das Hauptreferat hielt Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke, zum Thema „Die Friedrichschule – Rivalin der Lateinschule“. Am 1. Juli 1694 wurde die Friedrichschule eröffnet, dem Geburtstag des Namenspatrons, des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III.. Die Schule gehörte zur reformierten Gemeinde; zahlreiche Professoren der Universität Viadrina waren im Schulaufsichtsgremium. Der Autor hat in seiner vergleichenden Analyse mit der älteren Lateinschule neue Aspekte der Frankfurter Bildungsgeschichte vorgestellt.

Danach zeigte Herr Targiel als Neuerwerbung des Stadtarchivs ein Gemälde von Hans Salzmann.


Auf der Sitzung am 11. März 2008, an der 22 Personen teilnahmen, wurden als neue Mitglieder Herr Udo Harttung (Ingolstadt) und Herr Jens Kleuckling (Frankfurt (Oder)) einstimmig in unseren Verein aufgenommen. Her Harttung ist Nachfahre einer alten Frankfurter Kaufmannsfamilie, die in der Dammvorstadt eine Wachsfabrik betrieb.

Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel hielt das Hauptreferat „Vom Verschönerungsverein in Frankfurt (Oder)“ (veröffentlicht in H. 2/2008). Die Arbeit des Vereins trug wesentlich zur Verschönerung der Oderstadt bei. So wurden auf Vereinsinitiative u.a. der Alinen- Brunnen, der Springbrunnen im Schwanenteich und der Kleist-Turm errichtet. Zur Hebung des Fremdenverkehrs initiierte der Verein erste Stadtführer. Der Referent gab mit zahlreichen Bildern einen Überblick über die Vereinsgeschichte bis hin zur Fusion mit dem Verkehrsverein 1933 und 1941 zum Fremdenverkehrsverein. Mit diesem Beitrag stellte Herr Targiel erstmals den Verschönerungsverein in seiner ganzen Wirkungsbreite vor.


Die Sitzung am 29. April fand im Museum VIADRINA statt. Herr Dr. Martin Schieck stellte den 22 Anwesenden die Sonderausstellung „Verliebt – verlobt – verheiratet“ vor. Die mit zahlreichen Leihgaben, darunter von einer deutschen Familie in Argentinien, dem Stadtarchiv, der evangelischen Kirchengemeinde, gestaltete Hochzeitsausstellung gab interessante Beispiele aus der Oderstadt, die in die Kulturgeschichte des Heiratens eingebettet waren. Erstmals in einer Ausstellung wurden Trauregister verschiedener Konfessionen gezeigt.


 Vereinsmitglied Dr. Martin Schieck führt durch die Ausstellung.

An Hand von Kirchenakten und Hochzeitsordnungen sind ganz verschiedene Hochzeitsvorbehalte bis hin zu Verboten und Ehescheidungen thematisiert worden.

 Die Ecke mir einem "Schnelltest"

Vereinsmitglied Jens Kleuckling bei der "Anprobe".


Die Mai- Sitzung am 27.05.2008 fand wieder im Stadtarchiv statt. Zunächst sahen die 11 Mitglieder und 17 Gäste Ausschnitte aus der Rohfassung eines Filmes, der Frankfurt am 14. April 1990 zeigt.

Frau Jystina Gralak referierte zum Thema „’Zu kleines Brot, zu dünnes Bier’ – unehrliche Handwerker im mittelalterlichen Frankfurt (Oder)“. Ausgehend von der Definition „Fälschung“ und „Warenfälschung“ seit der Antike untersuchte die Autorin im weiteren anhand von schriftlichen Quellen Betrugsfälle im mittelalterlichen Frankfurt.

Herr Targiel stellte zwei neue Publikationen vor: „Das jüdische Brandenburg“ und „Das Feuerwehrwesen in Frankfurt (Oder) und Umgebung“. Im erstgenannten Buch sind im Essayteil Beiträge zu jüdischen Studenten an der Viadrina und zum hebräischen Buchdruck in der Oderstadt von Herrn Targiel enthalten. 


Am 30. September 2008 fand die erste Sitzung nach der Sommerpause statt, an der 17 Personen teilnahmen. Wiederum zeigte Herr Targiel vorweg einen Film aus der Sammlung des Stadtarchivs. „Treffpunkt Atelier“ berichtete 1968 von einem Besuch beim Bildhauer Walter Kreisel.

Herr Dr. Horst Engelke sprach über „Frauen und Mädchen in der Bildung“, indem er nach einer allgemeinen Einführung in die Bildungsgeschichte der Frauen erstmals für Frankfurt (Oder) konkrete Aussagen zur schulischen Bildung der Mädchen vorstellte.

1556 gab es in Frankfurt für kurze Zeit eine erste Jungfernschule, dann erst nach 1800 eine Schule für höhere Töchter. In seinen weiteren Ausführungen beleuchtete er die Schulentwicklung für Mädchen in verschiedenen Etappen bis zum Kleist-Lyzeum.

Herr Targiel stellte anschließend vier Einzelporträts aus dem Nachlass des Kunstlehrers Petersen vor.


Zur Sitzung am 28. Oktober kamen 15 Mitglieder und 32 Gäste. Es sprach Herr Horst Voigt zum Leben des Architekten Hanns Martin Kießling. In einem ersten Teil berichtete er über die Familiengeschichte und Entwicklung Kießlings bis 1921. Die gemeinsam mit dem Verein „DenkMal Kießling- Haus“ durchgeführte Veranstaltung fand ein sehr großes Interesse.


Referent Vereinsmitglied Horst Voigt.


 Auch am 18. November referierte Herr Horst Voigt über Hanns Martin Kießling, dieses Mal vor 36 Teilnehmern. Im Mittelpunkt des zweiten Teils seiner umfangreichen Arbeit über den Architekten stand das Leben und Wirken Kießlings in Frankfurt (Oder). Mit den Ostmarkbauten setzte Kießling markante städtebauliche Akzente in der Stadt, die heute unter Denkmalschutz stehen. Herr Voigt konnte in beiden Referaten zahlreiche neue Erkenntnisse präsentieren, die in den beiden gemeinsamen Sitzungen mit dem Verein „DenkMal Kießling-Haus“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die Vorträge ergänzte der Autor mit einer kleinen Präsentation von Originalen aus dem Nachlass Kießlings.   


Die Sitzung am 9. Dezember besuchten 14 Personen. Sie fand im Museum VIADRINA statt, wo Frau Dr. Sonja Michaels, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, ihre Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit der diesjährigen Weihnachtsausstellung „Weihnachtsbaumschmuck gestern und heute“ vorstellte.

Anschließend wurden die Filme „Frankfurt-Impressionen“ und „Machen Kleider Leute?“ gezeigt.

Herr Dr. Martin Schieck stellte das neue Jahrbuch 2008/09 des Fördervereins des Museums VIADRINA vor. Enthalten ist die Dissertation von Frau Dr. Monika Kilian-Buchmann „Frankfurt (Oder) im 13. und 14 Jh.. Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur und Siedlungsentwicklung“. Das Geschäftsjahr fand seinen Ausklang mit Kaffee und Dresdner Stollen.


2009


Die Jahreshauptversammlung fand am 27. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 17 Mitglieder und 11 Gäste.

Im öffentlichen Teil zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, aus der Sammlung des Stadtarchivs einen Film aus dem Jahre 1972 zur Verkehrsplanung im Bezirk Frankfurt (Oder).

Frau Anita Schmoll (Frankfurt (Oder)) hielt anschließend einen Vortrag über die Entwicklung, Bebauung und Nutzung des heutigen Messegeländes in Westkreuz. Die Geschichte des Messegeländes, die sie vor allem mit privaten Fotoaufnahmen illustrierte, reichte von der einstigen Ackerfläche bis zum Neubau der Messehalle I.


Wie bei den meisten anderen Sitzungen tagte der Verein am 24. Februar auch wieder im Stadtarchiv. Referent war Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, der im dritten Teil seiner Studien zum Leben und Wirken des Architekten Hanns Martin Kießling über seine Kölner und Danziger Zeit bis zur Verdrängung aus dem Amt durch die Nationalsozialisten berichtete. Anwesend waren 24 interessierte Zuhörer, darunter Mitglieder des Vereins DenkMal Kießlinghaus e.V..


Gleich in der nächsten Sitzung am 31. März stellte Her Voigt den vierten Teil seiner Forschungsergebnisse vor. Im Mittelpunkt standen die Planung und der Bau des Mausoleums für den abgedankten Kaiser Wilhelm II. in Doorn und Kießlings letzte Lebensjahre. 33 Personen kamen zu diesem Vortrag.

Zu beiden Vorträgen zeigte der Referent zahlreiche Abbildungen, darunter viele, die in Frankfurt noch nicht bekannt waren, die er von der Tochter des Architekten erhalten hatte. Mit seinen langjährigen Forschungen gelang es Herrn Voigt, bisherige Forschungsdefizite in der Frankfurter Architekturgeschichte zu schließen.


Die Sitzung am 28. April fand im Museum Viadrina statt, an der 12 Mitglieder und 33 Gäste teilnahmen. Vereinsmitglied, Herr Eckhard Reiß, stellte neue Forschungsergebnisse zur Geschichte des Frankfurter jüdischen Begräbnisortes unter dem Titel „Der gute Ort – der jüdische Friedhof Frankfurter (Oder) – Słubice“ vor. In seiner Friedhofgeschichte ging der Vortragende insbesondere auf die letzte Nutzungszeit bis 1945 ein. Die letzte jüdische Beerdigung fand 1944 statt.


Referent Vereinsmitglied Eckhard Reiß.

In einem weiteren Teil seiner Ausführungen berichtete er über die Aktivitäten und Probleme zur Wiederherstellung der Friedhofsanlage. Hervorzuheben ist auch, dass sich Herr Reiß als Frankfurter Bürger persönlich in dieser Angelegenheit sehr aktiv engagiert.

Besonders interessant waren seine Aussagen zur Zerstörung der Frankfurter Synagoge. Nach seinen Erkenntnissen brannte der Baukörper 1938 während der Reichspogromnacht zwar innen aus, überstand aber die Zerstörungen und Brandschatzungen 1945. Selbst auf einem Foto von 1946 steht die Synagoge noch. Vermutlich ist sie erst nach 1948 mit der Niederlegung der übrigen Ruinen von den neuen Stadtoberen abgerissen worden. Herr Reiß regte an, den Text auf dem Synagogenstein zu präzisieren.


Die Maisitzung am 26.05.2009 fand wiederum im Museum Viadrina statt. Vor 11 Mitgliedern und neun Gästen erinnerte Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, an den 125. Jahrestages der Entdeckung des Diphtherie-Erregers durch den in Frankfurt (Oder) geborenen Prof. Dr. Friedrich Loeffler.

Im Hauptteil führte Vereinsmitglied, Frau Dr. Vera Kliemann, durch die von ihr kuratierte Ausstellung „Von der Eiszeit bis zur Stadtgründung – Spurensuche im Oderland“. Seit langem gab es damit wieder eine Ausstellung zur Archäologie in Frankfurt (Oder).

Außerdem wurden an diesem Abend einstimmig zwei neue Mitglieder aufgenommen: Herr Dipl.-Kaufmann Joachim Wagner (Meerbusch), dessen Vater als Arzt in Frankfurt wirkte, und Herr Ralf Look (Frankfurt (Oder)), der als Journalist bei der Märkischen Oderzeitung tätig ist.


Nach der Sommerpause fand die nächste Sitzung am 22. September wieder im Stadtarchiv statt. Zu ihr kamen 17 Mitglieder und 11 Gäste. Vereinsmitglied, Herr Roman Carsten Höft, informierte über die Verlegung von „Stolpersteinen“ in Frankfurt (Oder). Diese Aktion begann am 08. Mai 2006 und erinnert in der Regel an den letzten bekannten Wohnort von Personen in Frankfurt (Oder), die von den Nazis deportiert, ermordet oder verfolgt wurden. Neben den bereits verlegten 24 Steinen berichtete er über die Verlegung weiterer 18 Steine am 12. November (= 1) in Słubice und 13. November 2009 in Frankfurt (Oder) (= 17). Als Beispiel stellte Herr Höft „Das Schicksal der jüdischen Familie Rosenbaum aus Frankfurt (Oder)/ Amsterdam“ vor.


Am 13. Oktober führten die Vereinsmitglieder, Herr Dr. Martin Schieck und Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, sowie Frau Dr. Sonja Michaels 14 Mitglieder und acht Gäste durch die im Museum Viadrina  gezeigte Ausstellung „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Stadtarchiv, Museum Viadrina und Kleist-Museum hatten anlässlich der 250. Wiederkehr der Schlacht bei Kunersdorf in einem gemeinsamen Projekt eine Ausstellung gestaltete, die an zwei Orten zu sehen war. Der zweite Teil der Ausstellung im Kleist-Museum trug den Untertitel „Mein Herz ist wund, doch darf ich’s nicht bekennen...“ und hatte Leben und Tod von Ewald v. Kleist zum Inhalt. 

Kleist- Ausstellung im Museum Viadrina.

Herr Buwert, trug ergänzend einige Passagen aus einem Vortrag vom 15. August 1861 vor. Der königliche Regierungsarchivar Einbeck referierte damals über „Hauptmomente aus dem Leben des Dichters und Helden Ewald Christian von Kleist und Geschichte seines zum 24. August 1861 renovirten Denkmals“. Da dieser Vortrag nicht in der Reihe der damaligen Vereinsmitteilungen publiziert wurde, wollen wir ihn in einer unserer Vereinsmitteilungen mitteilen.


„Meine ‚unfreiwillige Reise’ von Frankfurt (Oder) nach Bautzen. Ein Erlebnisbericht mit Dokumenten und Bildern“ – so lautete der Titel des Vortrages von Herrn Dieter Rother (Essen) am 17. November im Stadtarchiv. Herr Rother berichtete von seinen Erlebnissen in Frankfurt (Oder), wo er wegen angeblicher „konterrevolutionärer Propaganda“  vom sowjetischen KGB verhaftet, von einem sowjetischen Militärtribunal zu „10 Jahren Freiheitsentzug im Arbeits- und Besserungslager, mit Einzug des Vermögens“ verurteilt wurde und im berüchtigten „Gelben Elend“ in Bautzen und im „Roten Ochsen“ in Halle/ Saale verbüßen musste. U.a. machte der Referent auf den Widerspruch zwischen der Verfassung der DDR 1949 und der Praxis 1950 am Beispiel seiner Abholung durch deutsche Behörden und seine unrechtmäßige Übergabe an Sowjetorgane in der Sophienstraße aufmerksam.


 Am 15. Dezember fand die letzte Veranstaltung im Kalenderjahr statt. Vereinsmitglied, Frau Dr. Sonja Michaels, führte durch die von ihr erarbeitete und gestaltete Ausstellung „Heimliche Männerträume – Faszination Modelleisenbahn“ im Museum Viadrina. Neben Modelleisenbahnen gab es auch Informationen zur Frankfurter Eisenbahngeschichte und für die Anwesenden ein Gläschen Glühwein.


2010


Die Jahreshauptversammlung fand am 26. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 15 Mitglieder und vier Gäste.

Im öffentlichen Teil zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, aus dem Bestand des Stadtarchivs Filmaufnahmen vom 14. April 1990. Damals wurde der bauliche Zustand Frankfurts in einem Spaziergang mit einer Videokamera festgehalten.

Anschließend sprach unser Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über die „Junkerstr. 10. Von der Böttcher-Gesellen-Herberge zur Gaststätte ‚Oderterrasse’“. Zum einen zeigte der Referent die architektonisch- bauliche Entwicklung von den ältesten, in den Bauakten erhaltenen Zeichnungen des frühen 18. Jh. bis zu den Privataufnahmen des letzten Gaststättenbetreibers in den 50-er Jahren des 20. Jh.. Zum anderen ging er auf das Herbergswesen, insbesondere der Böttchergesellen ein. Zahlreiche Bilddokumente veranschaulichten die Darstellung eindrucksvoll.


Am 23. Februar sprach unser Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, über „Wildenhagen ─ der Name dieses Dorfes steht für das Massenselbstmord-Drama kurz vor Kriegsende“ (veröffentlicht in H. 1/2010). Anwesend war dazu eine Zeitzeugin, Frau Adelheid Nagel geb. Schmarr (jetzt Frankfurt (Oder)), die ihre Kindheit in Wildenhagen (heute Lubin) jenseits der Oder verlebte. Sie hatte über ihre Erlebnisse ein Buch unter dem Titel „Mein Leben“ herausgegeben, auf das der Referent Bezug nahm und Auszüge daraus vortrug.

Referent Vereinsmitglied Horst Voigt.

Zeitzeugin Frau Adelheid Nagel (rechts).

In der Nacht des 31. Januar 1945 nahmen sich fast alle Frauen Wildenhagens in einer Art Angstpsychose vor der anrückenden Roten Armee das Leben. Zuvor töteten sie auch ihre Kinder. Darunter sollte auch Adelheid Schmarr sein, die aber am nächsten Tag von russischen Soldaten gerettet wurde. Insgesamt nahmen sich von den etwa 480 Einwohnern 86 bis 100 Menschen das Leben.

Nach den einführenden Worten zeigte Herr Voigt die Filmdokumentation „Die Nacht von Wildenhagen“, die der WDR und arte 2004 ausgestrahlt hatten. An der Veranstaltung nahmen 30 Personen teil.

Damit wurde ein Thema angeschnitten, das für die Frankfurter Geschichte bisher auch noch nicht aufgearbeitet ist.


Die Sitzung am 31. März fand dieses Mal im Museum Viadrina statt. Gekommen waren etwa 30 Personen.

Anlässlich der Gründungsversammlung des Historischen Vereins am 26. März 1990 stießen die Anwesenden zunächst auf dieses Jubiläum mit einem Glas Sekt an.

In einem Kurzbeitrag informierte dann Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über die Arbeit und die Auflösung des Kreisverbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen, Vermisstenangehörigen (VdH) (veröffentlicht in H. 1/2010). Die Unterlagen des Kreisverbandes wurden inzwischen dem Stadtarchiv übergeben.


Kriegsveteran E. Schreiber zwischen Vereinsvorsitzenden W. Buwert /(links)
und Vereinsmitglied Dr. K. Eichler (rechts).

Im Hauptteil berichtete Herr Erich Schreiber (Frankfurt (Oder)) über seine „Zeit der Entscheidungsfindung“. Er war Wehrmachtsoldat und machte die Schlacht um Stalingrad mit, die er als Kriegsgefangener überlebte. Weiterhin erzählte er über seine persönlichen Erfahrungen an der Antifa- Schule in Tschuma.


Am 27. April fand die nächste Sitzung statt. Im Kurfürstensaal des Museums Viadrina referierte Herr Dipl.-Architekt Christian Nülken (Frankfurt (Oder)) vor 11 Mitgliedern und neun Gästen über „Cornelys Reykwart: sein architektonisches Wirken in Brandenburg und Anhalt“.


Referent Dipl.-Architekt Ch. Nülken.

An einer originalen Wirkungsstätte Reykwarts, nämlich dem Junkerhaus in Frankfurt (Oder), erfuhren die Anwesenden interessante Details und Zusammenhänge aus dem Leben und Wirken des Architekten und Baumeisters. Unter seiner Leitung erfolgte der barocke Umbau des Junkerhauses im 17. Jh..


Auch die Maisitzung am 11.05.2010 wurde wieder im Museum Viadrina durchgeführt. 13 Mitglieder und acht Gäste nahmen daran teil. Referent war Herr Dieter Rother (Essen), der seine Kindheit und Jugendzeit in Frankfurt verbracht hat und der bereits 2009 bei uns einmal sprach (veröffentlicht in H. 2/2009). „Frankfurt (Oder) – Biegen und zurück“ nannte er seinen Vortrag, in dem er über seine Erinnerungen an die Evakuierung, Rückkehr und ersten Nachkriegsjahre sprach. 1997 legte er dazu noch einmal zu Fuß denselben Weg zurück, den er mit seiner Mutter und seinem Bruder bis 1948 oftmals gegangen war. Biegen war das Ziel. Dort halfen sie auf einem Bauernhof, um Nahrungsmittel zu erhalten, die in den schweren Jahren das Überleben sichern halfen.


Referent D. Rothe beim Vortrag.


Nach der Sommerpause traf sich der Verein am 28. September erneut im Kurfürstensaal des Museums Viadrina. 14 Mitglieder und sechs Gäste waren zu dieser Veranstaltung gekommen.


Vereinsmitglied J. Schneider.

Am Anfang machte Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, einführende Be­merkungen zu den „Stationen auf den Schicksalswegen der Kriegsgefangenen“. Dazu stellte er ein von ihm entwickeltes Schema zu den „Wegen der Kriegsgefangenen und Heimkehrer“ vor (veröffentlicht in H. 1/2010).

Den Hauptteil des Abends bestritt Frau Heidemarie Bucki (Sangerhausen), Tochter des ehemaligen stellvertretenden Leiters des Heimkehrerlagers Gronenfelde, Paul Rösch. Sie las aus ihrem Buch „Das Lager. Über das größte Heimkehrerlager des Ostens in der vergessenen Stadt Frankfurt/Oder und den Überlebenskampf einer jungen Familie“. Ihr Anliegen war es dabei. Leser anzusprechen, die mit der Heimkehrer- Problematik nichts zu tun hatten und diese jetzt dafür zu interessieren.


Autorin Frau. H. Bucki bei der Buchlesung.

Dafür hatte sie eine feminin-emotionale Schreibweise gewählt, tlw. aus dem Blickwinkel eines Kindes. Mit ihrem Buch ging es Frau Bucki auch darum, die Leistungen der Stadt Frankfurt (Oder) als „Schlüsselstadt“ für die Heimkehrer wieder mehr in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Der Historische Verein beschäftigt sich bereits seit über 15 Jahren intensiv mit dieser Thematik und unterstützt deshalb Frau Buckis Anliegen.


Die Sitzung am 26. Oktober fand wieder im Stadtarchiv statt. Herr Michael Annuß, Bauamtsleiter der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), sprach vor 17 Anwesenden zum Thema „Frankfurt (Oder) – Stadt im Wandel. Entwicklung seit 1990 und Ausblick bis 2030“. Er stellte die Sanierungs- und Entwicklungsgebiete der Stadt vor: 1. ehemalige Altstadt, 2. südöstliches Stadtzentrum, 3. Fischerstr./ Walter- Korsing- Str., 4. Gubener Str./ Lindenstr. und 5. Altberesinchen. Mit zahlreichen graphischen Darstellungen ging er auf die Entwicklungsziele, die Investitionen und die Herausforderungen bis 2030 ein. Ausgehend von einer Einwohnerzahl von 59.290 Menschen im Jahre 2010 prognostizierte Herr Annuß für 2030 ca. 48.000 Einwohner.

In der Diskussion regte Herr Schneider zusätzlich eine Erinnerungstafel für Alexander v. Humboldt auf dem Universitätsplatz an.

Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel stellte anschließend in einem Kurzbeitrag Prof. jur. Samuel Stryk anlässlich seines 300. Todestages vor. Der aus Lentzen/ Elbe stammende Stryk hatte in Frankfurt (Oder) studiert und 1672 eine Professur an der Juristischen Fakultät übernommen. 144 Drucke von ihm sind im Stadtarchiv überliefert. Sein später an der Hallenser Universität berühmt gewordener Schüler war der Jurist Christian Thomasius.


Am 23.11.2010 referierte Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel im Stadtarchiv über zwei für die Frankfurter Stadtgeschichte bedeutsame Persönlichkeiten. Zu den Beiträgen waren 18 Personen gekommen, darunter der Leiter des Oberstufenzentrums „Konrad Wachsmann“, Herr Bernd Wagner.

Zunächst sprach Herr Targiel über Eduard von Simson anlässlich dessen 200. Geburtstages. Simson war u.a. Präsident der Frankfurter Nationalversammlung und stand an der Spitze der Deputation, die am 03. April 1849 König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone antrug. Seit 03. September 1860 war Simson Präsident des Appellationsgerichtes in Frankfurt (Oder). An Simsons ehemaligen Wohnhaus Halbe Stadt 20 hatte unser Verein am 02. Mai 1991 dank Herrn Targiel die Wiederanbringung der alten Gedenktafel des Historisch-Statistischen Vereins initiiert und organisiert.

Im zweiten Beitrag beschäftigte sich der Referent anlässlich des 30. Todestages mit Konrad Wachsmann. Der 1901 in der Oderstadt geborene Apothekersohn entwickelte sich zu einem bedeutenden Vertreter des industriellen Bauens. Nach seinem Tode am 25.11.1980 in Los Angeles wurde seine Urne auf eigenen Wunsch auf dem Frankfurter Hauptfriedhof am 10.12.1981 beigesetzt. Herr Targiel stellte u.a. auch ein von Wachsmann entworfenes Holzhaus vor, dessen Standort heute unbekannt ist. Er bat die Anwesenden um Mithilfe bei der Standortsuche.


Am 14. Dezember trafen sich 12 Mitglieder zu einem gemütlichen Jahresausklang im Zentrum für Begabtenförderung in der Puschkinstraße bei Glühwein und Spekulatius. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr Jens Kleuckling, ermöglichte uns dieses Zusammensein. Er engagiert sich besonders für dieses Zentrum.


Gemütlichen Jahresausklang im Zentrum für Begabtenförderung.

Frau Dr. Sonja Michaels stellte drei Neuerwerbungen des Museums vor, von denen zwei in der geplanten Ausstellung zur Steingutfabrik Paetsch 2011 zu sehen sein werden. Herr OA Targiel berichtete über den Erwerb des Nachlasses des Musikers Willy Post. Zu Gehör brachte er auch ein humoristisches Gedicht des Architekten Willy Schönfelder (Vater des bekannten Schauspielers Friedrich Schönfelder), der über die Zustände in der Wohnung unter ihm reimte. Er berichtete amüsant über Musikabende, Proben und Unterrichtsstunden der Familie Post.

Dr. Schieck zeigte zwei Fotos aus den Frankfurter Nachkriegsjahren und stellte die Datierung zur Diskussion. Herr Buwert stellte einige neu erworbene Fotos zur Frankfurter Militärgeschichte vor.

Im Anschluss tauschten sich die Mitglieder zu den Vorhaben im Jahr 2011 aus.